[29.6] Fernab der Heimat

Tagebuch des Oberin Sturmbund
Tagebuch des Oberin Sturmbund
[29.6] Fernab der Heimat
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Gespielt am: 13. Februar 2021

Jede weitere Meile im tief eingefrorenen Land ist ein Kampf doch das Ziel ist zum Greifen nahe. Bevor dieses jedoch in Sicht kommt, gelangen Mann und Goblin zur Stätte eines grässlichen Massakers.

Im ersten Moment fragte ich mich, ob ich zu einer schwarzen Kultstätte gelangt war. Dass es sich um einen Ritualplatz handelte, war unverkennbar, nur worum es dabei ging, konnte ich nicht herausfinden. Die noch dampfenden Körper mochten gut und gerne die von Hexen gewesen sein. Auch ließ sich sagen, dass mehr Leute hier gewesen sein mussten. Mehr jedoch konnte ich bei meiner Untersuchung der Lichtung nicht herausfinden, wobei ich mich hütete, einen Fuß in den Kreis zu setzen. War dies hier ein Opferplatz oder war das Hexenritual von jemand oder etwas grausam unterbrochen worden?

Ich musste schon annehmen, keine Antwort auf diese Frage zu finden. Der Goblin nahm keinerlei Anteil an unserem Fund. Allenfalls war er von ängstlicher Nervosität ob dem, was für dieses Blutbad verantwortlich war. Tatsächlich jagte auch mir der geschändete Ort einen Schauder über den Rücken. Dann sah ich aus den Augenwinkeln einen menschlichen Schatten aus einem Baum am Rande der Lichtung springen. Ich fuhr herum und verlangte augenblicklich, die fremde Person möge hervortreten. Der Schatten entsprach meiner Aufforderung und hervor kam eine rothaarige Frau, die mich zu meiner kolossalen Verblüffung mit „Bruderschwester“ anredete. Eine Maraskanerin im entlegensten Bornland zu begegnen, damit hatte ich am Wenigsten gerechnet. Gewiss, die roten Dschungel Maraskans bargen weit größere Schrecken als der weiße Überwals, doch warum sollte jemand, der von einer so heißen, vor Leben geradezu pulsierenden Insel stammt, sich in der kalten Ödnis auf halbem Weg zum anderen Ende der Welt einfinden?

Einstweilen blieb die Frage unbeantwortet, ja ungestellt, denn sogleich entfaltete die Unbekannte den mir wohlbekannten, ja wohl einzigartigen Charme der maraskanischen Bevölkerung, wodurch das Gespräch nicht eben auf den Punkt kam, sondern eher zwischen Sinn und Unsinn umher mäanderte.

Von Anfang an hegte ich nicht den Verdacht, die Maraskanerin könne etwas mit dem zu tun haben, was auf der Lichtung vorgefallen war. Aus meiner Frage, ob sie etwas über das wusste, was hier vorgefallen war, zog sie eine diesbezügliche Anschuldigung heraus und zeigte sich empört. Indes hatte ich derlei mitnichten impliziert, doch trotz meines guten Gefühls blieb ich wachsam. Wer immer in dieser Gegend unterwegs war, sollte mit Vorsicht bedacht werden. Wie sich herausstellte, wusste sie tatsächlich einiges, wollte dies aber nicht an jenem Ort besprechen, wozu ich ihr nur beipflichten konnte. Wir verließen also zügig den Platz, der in rotem Schrecken ertrunken war.

Sie brachte mich zu ihrer Behausung, einer kleinen Holzhütte unterhalb einer Felswand, die sich auch drinnen zu meiner Verwunderung nicht sonderlich von den üblichen Jagdhütten unterschied. Kaum etwas deutete auf die Anwesenheit einer Maraskanerin hin.

Meine Gastgeberin hingegen, die sich als Yasindanid vorstellte, war wirklich unschwer als Maraskanerin zu erkennen. Wer sonst würde jemanden auffordern, Platz zu nehmen, wenn weder Stuhl noch Tisch im Raum vorhanden waren?

Gleich nach unserer Ankunft machte sie sich daran, die Hasen zuzubereiten, die sie eben gefangen hatte, als ich ihr begegnet war. Sie wusste mir dann auch zu berichten, dass es sich bei der Lichtung um einen Versammlungsplatz von Hexen handelte, die bei ihrem Ritual von einem Schrecken angefallen worden waren, der noch nicht lange in der Gegend weilte, und von dem sie annahm, es handele sich um einen „MantiKOR“. Das sagte mir nichts, doch Yasindanid beschrieb ihn mir als Mischwesen aus Löwe mit Adlerschwingen und einem Skorpionschwanz, das überdies noch menschengesichtig sein sollte! Für mich klang das nach einer abscheulichen Verhöhnung der Schöpfung, sie aber wandte ein, nach unserer Glaubensvorstellung handele es sich, wie der Name wohl besage, um eine Kreatur, welche KOR verbunden sei. Das stimmte mich nachdenklich und ich setzte mich wieder auf den Boden, von dem ich hochgesprungen war. Unser Gespräch neigte sich dann anderen Themen zu. Gleichwohl ab und an RONdra Geweihte in die nahe Festung des Widderordens einkehrten, befand sie zu meiner Verwunderung, meinesgleichen begegne man selten hier – und meinte damit mich. Erfrischend, diese Art der Leute von Maraskan, obschon sie einem zuweilen gehörig auf die Nerven gehen. Jedenfalls schilderte ich ihr, was mich in Begleitung eines Goblins hergetrieben hatte. Sie bekundete, niemanden zu kennen, auf den meine Beschreibung der gesuchten Person in dieser Gegend passte. Das glaubte ich ihr, zugleich glaubte ich, bereits seit einer Weile zu wissen, zu wem mich der Sohn des FIRuns geschickt hatte. Umso mehr sich das folgende Geschehen entspann, umso deutlicher wurde es mir. Yasindanid beschrieb sich selbst als maraskanische Widerstandskämpferin, die im Zuge der Kämpfe zur Eroberung der Insel schließlich ins Exil getrieben worden war und verfolgt von ihren Häschern zuletzt bis in diese entlegene Gegend geflohen war, wo ihre einzig verbliebene Verbindung zur Außenwelt eine FIRun Geweihte mit Namen Nellgard war.

Bei der Erwähnung dieses Namens dachte ich mir nichts. Er ist schließlich keine Seltenheit. Interessanter fand ich da schon, dass Yasindanid trotz ihrer weiten Flucht sehr wohl die Absicht hegte, ihren Kampf nach Maraskan zurück zu tragen, obschon sie soweit fort und ihre Gefährten gehetzt und verstreut worden waren, und nach all der Zeit.

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