[30.1] Feldbuch der Magistra Meergenz

Tagebuch des Oberin Sturmbund
Tagebuch des Oberin Sturmbund
[29.7] Die Maraskanerin im Schnee
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Gespielt am: 23. Mai 2021

 Oberin ist auf eine eigene Queste entschwunden und überlässt die Planungsgeschäfte Finjan und Kolokewski. Ein Glück für die beiden Seebären auf diesem diplomatischen Boden, dass fähige Rettung naht.

Aufzeichnungen

aus dem Feldbuch

der Magistra Xindra Meergenz von Festum

aus der Halle des Quecksilbers

10.FIRun 1026 BF

Früh am Morgen begab ich mich zur Taverne Rum & Grog, wo der Kapitän Finjan Pettersen Quartier bezogen hatte. Ich war überaus gespannt auf diese Begegnung. So einiges hatte ich mittlerweile in Erfahrung bringen können, doch das Bild, das sich daraus ergab, blieb unvollständig und widersprüchlich. Ich bezweifelte stark, dass er ein Verräter sein könnte. Natürlich war das nicht auszuschließen. Bessere Menschen gaben sich den Verlockungen dunkler Träume Wahn anheim. Die verfügbaren Fakten wiesen dennoch auf andere Konstellationen hin. Indes, ob er sich schlicht für einen Helden hielt, von Grimm gepackt war oder bloß ein ausgesprochener Dummkopf, da sprachen die Berichte keine eindeutige Sprache. Wohl oder übel musste ich das selbst herausfinden. Wobei, soll eine Arche erforscht werden, ist es ratsam, mit ihrem Kapitän zu beginnen, insbesondere wenn das dämonische Fahrzeug noch an einem unbekannten Platz verborgen weilt. Über den Kapitän sei an die Arche heran zu kommen, besonders, wenn er sich als Idiot entpuppt.

Kaum, dass ich die Taverne betreten hatte, stand ich bereits dem Mann gegenüber, den ich gesucht hatte; das war unverkennbar. Er passte so exakt auf die Beschreibung, dass er einem Bestimmungsbuch für Spezies der Fauna & Flora hätte entsprungen sein können. Zweifellos war er ein attraktiver Anblick und seine Körperlichkeit gab einen guten Leumund für die Berichte über seine Kampfeswut. Es war gut vorstellbar, dass dieser einen Tigerhai mit der bloßen Hand erschlagen hatte. Aber allzu gern tendieren die Männer mit den größten Muskeln dazu, sich zu sehr auf dieses Attribut zu verlassen. Es sollte keine Schwierigkeit sein, herauszufinden, wie der Kapitän Pettersen in dieser Hinsicht einzuschätzen war.

Als ich ihn antraf, saß er mit seinem Ersten Offizier Kolokewski zusammen inmitten des Schankraums über einen Stapel Papiere gebeugt und im Gespräch über logistische Fragen. Es war ein Leichtes, das zu bemerken, ehe sie bei meinem Eintreten verstummten. Sie hatten sich kein besonders unauffälliges Plätzchen für ihr Schwätzchen ausgesucht.

Wie vorhergesehen eröffnete mir die Übergabe der Einladung zum Rat der Admiralität einen leichten Zugang zu ihnen. Meine Abordnung zu ihrer Unterstützung und als Verbindung zur Admiralität nahmen sie einstweilen hin. Meine Ankündigung, sie auf ihrer Fahrt zu begleiten, stimmte sie weniger vergnüglich, und zwar jenseits der Befürchtung, sich eine Spionin an Bord zu holen. Soweit war ihre Skepsis vernünftig. Viel erheblicher war allerdings, dass Kapitän Pettersen mich schlichtweg nicht leiden konnte. Bei diesem Test fiel er mit Pauken und Trompeten durch. Es war viel zu einfach, ihn zu provozieren. Das verspricht, auf dieser Expedition ein Problem zu werden. Ein nüchternes Wägen scheint seine Sache nicht zu sein. Sich die unschätzbaren Dienste einer Magistra der Halle des Quecksilbers aus simpler Animosität entgehen zu lassen, wäre eine törichte Entscheidung gewesen. Ein Mann, der mit solch einer Einstellung ein Expeditionskorps für eine Dämonenarche aufzustellen gedenkt, wird nicht weit kommen. Wenigstens sein Erster Offizier scheint von anderem Schlage zu sein. Zu meiner Verwunderung war der Geweihte Sturmbund nicht zugegen. Es hatte geheißen, die beiden reisten stets zusammen. Anscheinend ist das derzeit nicht der Fall. Den ganzen Tag über sah ich ihn nicht und sie erwähnten ihn mit keinem Wort. Der Vorteil, den ich daraus zog, war mich ganz auf das Studium des Kapitäns konzentrieren zu können. Der RONdra Geweihte soll aus anderem Holz geschnitzt sein, seine Gegenwart hätte die Beobachtung verfälscht. Ihm werde ich mich später widmen. Für´s Erste werde ich meinen Spaß mit dem Kapitän haben. Dieser Auftakt war ebenso einsichtsvoll wie amüsant. Ich bekam genug von ihren Plänen mit, um die nächste Gelegenheit zum Einhaken zu finden. Alles, was ich tun musste, war vor der Taverne zu warten, bis sie herauskamen.

Der Kapitän zog ein ganz schönes Gesicht. Offenbar hatte er gehofft, mich nicht sobald wiederzusehen, nachdem er mich eben erst zur Tür hinaus komplimentiert hatte. Dieser Mann hat seine Gefühle nicht unter Kontrolle. Ein weiterer Nachteil für einen Kapitän. So wies er mein Angebot, mich in Festum als Führerin nützlich zu machen, brüsk ab. Selbst als ich anbot, einen Eidsegen abzulegen, für niemanden zu spionieren, brach er lieber einen Streit vom Zaun, als zu erwägen, wie er Nutzen aus mir ziehen könnte, selbst wenn ich nicht vertrauenswürdig sein sollte. Statt die Gelegenheit zu nutzen, mich kennenzulernen, mich einzuschätzen und auf die Probe zu stellen, wollte er mich davonjagen, nur um mich aus seiner Wahrnehmung zu entfernen. Kapitän Pettersen ist impulsiv, streitlustig und kurzsichtig, zumindest wenn man ihn in einer alltäglichen Situation simplen Stressoren aussetzt. Ich kann nur hoffen, seine Kriegerinstinkte im Kampf und als Kommandant sind besser ausgeprägt als sein taktisches Denken, sonst wird dieser Kerl die Arche auf dem einen oder anderen Weg verlieren, ehe ich Gelegenheit habe, auch nur rudimentärste Forschungen durchzuführen, geschweige denn, hinter ihre Geheimnisse zu gelangen. Da es außer Frage steht, ihm dies zu gestatten, werde ich wohl erhebliche Anstrengungen darauf verwenden müssen, zu verhindern, dass es so weit kommt. Diese Gelegenheit ist ein Geschenk des PHEx und der HESinde, die nicht verspielt werden darf. Werden die Talente des Gegenspielers nicht untersucht und gegen ihn in Dienst gestellt, richtet sich das schnell gegen einen selbst.

Da mir dieser Morgen bereits eine Vielzahl von Ergebnissen geliefert hatte und Kapitän Pettersen sich rundheraus weigerte, mir freiwillig Zugang zu sich zu verschaffen, wechselte ich jetzt die Methodik, trat von der teilnehmenden Beobachtung zurück, um mich für eine Weile gänzlich der Beobachtung zu widmen.

Nachdem der Kapitän abermals annahm, ich sei gegangen, wozu es nichts weiter bedurfte, als hinter die nächste Straßenbiegung zu treten, war es ein Leichtes, ihm unbemerkt durch die wohlvertrauten Gassen Festums zu folgen.

Notiz an mich: Es sollte eine Gelegenheit konzipiert werden, seine Intelligenz zu testen. Voreilige Schlüsse sind zu vermeiden.

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