Gespielt am: 29. Mai 2021
Neben der Auswahl von Söldnern und Bordpersonal, dem Kauf von Geschützen und dem Verwalten der neuen Hafenimmobilie gilt es, in Festum Verbündete zu sammeln. Der Vorschlag von Arvid Stoerrebrandt, beim gemeinsamen Abendessen über die geschäftlichen Möglichkeiten der Dämonenarche zu sprechen, muss dementsprechend wohl oder übel angenommen werden.
Der wesentlich herausforderndere Teil des Tages stand uns noch bevor: das Abendessen mit Arvid Stoerrebrandt. Bevor wir daran überhaupt denken konnten, benötigten Kapitän wie Erster Offizier zunächst Galauniformen. So viel musste die Schiffsbörse schon hergeben, obwohl der Kapitän sich das gern gespart hätte, aber das hieße, am falschen Ende zu sparen. Über die Bedeutsamkeit des gesellschaftlichen Parketts, die Wahl der rechten Waffen in der Diplomatie und die strategische Bedeutung der Politik hat Kapitän Pettersen noch einiges zu lernen, und erweist sich dabei als enervierend halsstarriger Schüler. Meine ersten Lektionen diesbezüglich mochte er nicht annehmen. Da liegt ein hartes Stück Arbeit vor mir, um die Arche durch Errichtung dieser Allianz zu erhalten. Überließe ich den Kapitän dabei sich selbst, würde er es wohl kaum wieder aus der Festumer Bucht schaffen. Obwohl der Erste Offizier in diesen Dingen weniger tölpelhaft agiert – er weiß wenigstens, wann er den Mund halten sollte, und was er sagen sollte, wenn er das nicht tut – ist er in diesen Dingen dennoch bloßbegrenzt eine Hilfe. Es ist nicht sein Metier, könnte man sagen. Finjan Pettersen braucht dringend kompetente Beratung in all diesen Fragen, wird also dauerhaft in mehr als einer Hinsicht auf mich angewiesen sein. Zumindest in dieser Hinsicht ist seine Unbedarftheit im Getümmel der Honoratioren von Vorteil.
Dass der Abend in Stoerrebrandts Residenz eher mittelprächtig verlief, lag dann auch weniger am Kapitän, der seine Sache im Rahmen seiner Möglichkeiten recht ordentlich machte.
In eine gut sitzende Uniform gekleidet, den Dreispitz auf dem Kopf, machte er eine bemerkenswerte Figur, so fesch wie schneidig, abhängig davon, in welcher Gefühlswallung man ihn sich besah. Allein, dass er die Perücke nicht hatte tragen wollen, zu der ich ihm geraten hatte, konnte ein Wehrmutstropfen bei seinem Anblick sein. Der Erste Offizier wiederum erfüllte seine Aufgabe wiederum glänzend, machte einen ausgezeichneten Eindruck, ohne durch seine Erscheinung die Aufmerksamkeit von seinem Kapitän abzulenken. Diesen Mann müssen wir uns warmhalten, er wird für das Unterfangen noch von ausgesprochener Nützlichkeit sein. Mal sehen, was dieser ominöse Geweihte Sturmbund taugt. Derzeit vermag ich nicht recht zu sagen, wie er ins Bild passt, ob er von Nutzen sein kann oder eher ein Ungleichgewicht für die Führungsspitze der Arche bedeuten wird. Ein RONdra Geweihter an Bord einer Dämonenarche wirft sehr viele Fragen auf, zumal dieser Geweihte. Seine fortgesetzte Abwesenheit wirft auch Fragen auf, besonders bei unserem Gastgeber, denn der Diener, der uns am Eingangsportal abholte, zeigte sich etwas pikiert über die Anwesenheit Kolokewskis und meiner Person und verwundert über die Ermangelung der Gegenwart des Geweihten Sturmbund. Von einem Bediensteten der Stoerrebrandts hätte ich mehr Gleichmut in der Haltung erwartet, schließlich war es allein die Sache seines Herren, sich über die verfehlte Anzahl Gäste sowie deren abgeänderte Identität zu verwundern.
Der Stoerrebrandt hingegen zeigte sich diesbezüglich von ganz anderer Art und verlor nach einer interessiert höflichen Erkundigung über den Verbleib des Geweihten kein weiteres Wort über des Kapitäns angewachsenes Gefolge. Stattdessen führte er uns in den Salon. Die Räumlichkeiten, durch die wir geführt wurden, nahm ich sorgfältig in Augenschein. Nicht alle Tage erhält man Einblick in das Leben eines Stoerrebrandt. Der Prunk, der uns vorgeführt wurde, spottete wahrlich jeder Beschreibung, zumal in einer hungernden Handelsstadt, ganz so, wie es von einem Stoerrebrandt erwartet wird. Allzu viel bekamen wir allerdings nicht zu sehen, wir ließen uns sogleich zum Essen nieder, das selbst in besseren Tagen bemerkenswert gewesen wäre, ohne jedoch tatsächlich ausgefallen zu sein. Die Bewertung fiel ebenso repräsentativ wie nötig aus, nicht mehr; alles darüber hinaus wäre Avid Stoerrebrandt wohl wie ein Perlen vor die Säue gießen erschienen, obwohl sein Ansinnen für ihn mit Sicherheit bedeutsam war, doch ist er erfahren genug, in Finjan Pettersen einen Mann zu erkennen, dessen Leben zu schlicht verlaufen war, um der Raffinesse wahrer Dekadenz zugänglich zu sein. So kam er auch recht umstandslos zur Sache, nach dem Pettersens Vorschlag, seinen Koch für die Arche anzuheuern – was ein Kompliment für das Essen hatte sein sollen – ihn sichtlich peinlich berührt von diesem primitiven Ansinnen zurückließ. Was der Stoerrebrandt wollte, war, sich in die Arche einzukaufen. In finanzieller und logistischer Hinsicht handelte es sich um ein höchst verlockendes Angebot. Kapitän Pettersen war klug genug, dennoch nicht darauf einzugehen. Ich war sehr erleichtert, mich daraufhin zurückhalten zu können und nicht intervenieren zu müssen. Das fehlte noch, dass die Stoerrebrandts mitentschieden, was mit der Arche zu geschehen habe, und gäbe man ihnen auch nur ein Spinnenbein, wollten sie sich Stück für Stück alle acht unter den Nagel reißen. So konnte ich unbeachtet bleiben, derweil der Kapitän jede neuerliche Offerte in dieser Richtung abschlug. Zumindest ist er sich im Klaren, welche Verantwortung er sich mit dem Besitz der Arche aufbürdet, und was er damit anfangen will. Jetzt muss nur Sorge dafür getragen werden, dass das auch das Richtige ist. Mit einem Kapitän aber kann eine Einigung erzielt werden, eine geteilte Kontrolle über die Arche hingegen würde alles sehr verkomplizieren. Als der Stoerrebrandt einsehen musste, dass bei Kapitän Pettersen nichts zu holen war, verlor er augenblicklich das Interesse an uns. Eher mühsam rangen wir ihm daher einen Vertrag über eine einmalige Nahrungsmittellieferung für die Jungfernfahrt unserer Dämonenarche ab; dies zu unerschwinglichen Konditionen, doch mussten wir ihm glauben, dass Besseres in diesen Tagen nicht zu haben war. Pettersens Geschichte von seinen beiden goldenen Eiern half da auch nichts. Ich denke, es war die fehlende Perücke. Mit der hätte ihm nicht einmal Avid zu widerstehen vermocht.
