[32.2] Ein Haufen Irrer AudF

Tagebuch des Oberin Sturmbund
Tagebuch des Oberin Sturmbund
[7.2] Thorwaler und Novadis
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Gespielt am: 29. Mai 2021

In Festum werden die Vorbereitungen für die Bemannung der Dämonenarche finalisiert. Um diese wieder bis hinaus auf die Blutige See bugsieren zu können, haben Finjan, Xindra und Kolokewski eine alte Kogge besorgt, die der Arche erstes Mal werden soll.

17.FIRun 1026 BF

Dieser Morgen wurde von zwei weiteren unvorhergesehenen Begegnungen sehr unterschiedlicher Art geprägt. Die erste war recht sonderbar und etwas unangenehm. Gerade als ich am Kontor des Kapitäns eintraf, kam mir von dessen Eingangstor her um die Ecke biegend eine beunruhigende Gestalt entgegen. Ein unzweifelhaft wütender Mann mit irrlichterndem Blick, der lauthals vor sich hin schimpfte, humpelte eilends auf mich zu. Seine Kleidung bestand vielleicht nicht gerade aus Lumpen, war allerdings arg zerschlissen und durchaus ramponiert zu nennen, so wie er selbst. Unrasiert kam er daher und als hätte er sich Monate nicht mehr gründlich gewaschen. Das frappierendste an seinem Anblick waren jedoch zweifellos die beiden Äxte, die er sich offenbar als Schienen um ein gebrochenes Bein gebunden hatte. Wie er damit in diesem Tempo heranstürmen konnte, war mir einigermaßen unklar. Rasch machte ich einen Satz zur Seite, allein er schien mich nicht einmal zu bemerken. Unversehens hastete er weiter und war gleich darauf verschwunden.

Drinnen angekommen erkundigte ich mich beim Kapitän nach dieser zweifelhaften Gestalt. Wie er das oft tut, blieb Kapitän Pettersen recht vage in seiner Erklärung. Der Mann heiße Blutschluck und sei mit ihm an Bord der Arche gefahren. Heute Morgen habe er ihn schlafend vor der Tür des Kontors gefunden, wo der Bursche auf ihn gewartet habe, um wieder mit an Bord der Arche zu gelangen, wo der Kapitän ihn aber nicht wieder haben mochte, weshalb er ihn fortschickte. Das erscheint verständlich. Diese Figur war von eindeutigen Zügen geistiger Umnachtung gezeichnet gewesen. Eine derartig instabile Person war an Bord einer Dämonenarche nicht bloß fehl am Platz, sondern hochgradig unbrauchbar. Indes hatte ich nun eine Ahnung, was der Mann gemeint hatte, als er eben davon gebrabbelt hatte, sich dann eben selbst auf den Weg zu machen. Aber das wusste der Kapitän schon. Merkwürdigerweise legte er nun deutlich größeres Gewicht darauf, so schnell wie möglich zur Arche aufzubrechen. Wer war der seltsame Kauz, dass der Kapitän sich seinetwegen derartig besorgte? Er ging nicht näher darauf ein, sondern dazu über, die anstehenden Aufgaben durchzusprechen.

Weit kam er damit nicht, ehe eine weitere Gestalt hereinplatzte, von anderer Art, doch nicht weniger bemerkenswert und grimmig, möchte ich sagen. Es handelte sich um Hasswolf Ingridsun, einen Geweihten der SWAfnir Kirche, der auf der Suche nach Kapitän Pettersen war, weil er es offenbar nicht länger aushielt, begierig zu erfahren, wann wir endlich aufbrechen würden. Zwar war er mir noch nicht vorgestellt worden, erweckte jedenfalls den Eindruck eines entschlossenen und energischen Mannes.

An diesem Morgen mochte der Eindruck entstehen, für die anstehende Mission scharten sich Charaktere um den Kapitän, die für die Aufgabe viel stärker brannten, als er selbst. Inwiefern sich das als Vor- oder Nachteil erweisen wird, bleibt abzuwarten, bis wir die gesamte Mannschaft kennen. Diese Leute schienen fast zu begierig, sich kopflos in diese Unternehmung zu stürzen, wiewohl Kapitän Pettersen nach wie vor einen gewissen Mangel an Entscheidungsfreudigkeit und Reaktionsvermögen an den Tag legt. So wusste der Geweihte von einem Mann zu berichten, der hier in Festum lebt, und angeblich mit Hilfe der Wale ein der Lage sein soll, sich überall auf See zu orientieren. Da wir bisher niemand für die Navigation der Arche aufzutreiben vermochten, war die Sache es allemal wert, ihr nachzugehen. Allein schon um mehr über diese eigenwillige Kunst in Erfahrung zu bringen, sollte es sich lohnen, diesem Hinweis nachzuspüren. Zuerst galt es, die Fakten zu prüfen, dann sie zu werten. Kapitän Pettersen aber überging die Angelegenheit einfach. So blieb es an mir, sie in die Hand zu nehmen. Mit dem Hinweis, eigene Vorbereitungen für die Expedition treffen zu wollen, entschuldigte ich mich.

Noch in der Tür kam mir der Erste Offizier mit einem Brief aus der Akademie von Neersand entgegen. Das Siegel war unverkennbar. Später erwähnte der Kapitän, sein Vater habe ihn nach Neersand gerufen; unter den gegebenen Umständen sehe er sich aber außer Stande, dieser Aufforderung Folge zu leisten.

 

Die Beschreibung des SWAfnir Geweihten folgend, führte der Weg mich derweil in das Gerberviertel und weiter Richtung Westen, wo ein kleine Ansiedlung von Thorwalern leben sollte. In diesen Teil der Stadt hatte es mich eher selten verschlagen, schon gar nicht hinaus bis zu den Thorwalern. Dennoch gelangte ich recht zügig dorthin. Ihre Architektur nahm sich in den Verhältnissen Festums erkennbar genug aus.

Vor einem der Häuser hackte ein Mann Holz, den fragte ich nach Aswulf der mit Walen sprechen solle. Jemand mit einer derartigen Fähigkeit dürfte unter seinen Landsleuten kein Unbekannter sein. So war es auch. Der Mann wusste, von wem ich sprach, begehrte aber zu erfahren, was ich von Aswulf wollte.  Überhaupt sei er nicht da. Er stellte mir immer mehr Fragen. Dadurch verriet er sich. Die Art seiner Fragen legte es nahe, dass Aswulf sehr wohl anwesend war, die Art seiner Antworten, dass er gar vor mir stand. Um eine Magierin zu täuschen bedurfte es schon etwas mehr. Doch ich spielte sein Spiel mit. Wozu ihm auf die Nase binden, dass ich ihn durchschaut hatte? Es schadet nicht, immer noch etwas klüger zu sein, als das Gegenüber es zugestehen möchte. Von diesem albernen Versteckspielchen abgesehen erweckte er einen ganz anständigen Eindruck. Wenn wir ihn anheuern wollten, musste er sowieso erfahren, worauf er sich einließ, darum ließ ich es zu, dass er mich aushorchte und mir nach und nach sie relevanten Details der Fahrt entlockte, für die ich ihn anheuern wollte. Die Sache mit der Dämonenarche nahm er recht gut auf, meine Erläuterungen leuchteten ihm wohl ein. Letztlich willigte er ein, Aswulf mein Angebot zu unterbreiten, wann immer er zurückkehren würde.

Ja, das sollte er mal tun, wann immer das sein mochte.

Als ich ging, war ich durchaus zufrieden mit dem Ergebnis dieses kleinen Ausflugs; in praktischer Hinsicht war er allemal ergiebiger als die Tavernentour am Vortag und würde keinen Kater nach sich ziehen. Allein, dass ich nichts darüber erfahren hatte, auf welche Weise Aswulf mit den Walen sprach, schmälerte meine Zufriedenheit. Dessen ungeachtet sagte mir meine Erfahrung, dass der Mann über die Fähigkeiten verfügte, die ihm nachgesagt wurden. Die werden uns nützlich sein, sofern er den Entschluss fasst, sich uns anzuschließen.

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