[33.8] Kapitän Glorreich

Tagebuch des Oberin Sturmbund
Tagebuch des Oberin Sturmbund
[33.8] Kapitän Glorreich
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Gespielt am: 12. Juni 2021

Die Beichte seiner Sünden bescherte Oberin eine unerwartete Strafe: Er soll im Namen Rondras und ihrer Alveraniare das Wort der Göttin verbreiten. So hat es der Meister Bundes der Senne Bornland im Zwiegespräch mit der Göttin erfahren. Noch immer im Unglauben über diese Wendung des Schicksals muss Oberin irgendwann den Rückweg zum Kontor angetreten haben.

21. Firun 33 Hal, Festum

Des Morgens stöberte der Kapitän mich in dem Winkel des Kontors auf, in welchen ich mich irgendwann in der Nacht zurückgezogen hatte, um mit der Arbeit zu beginnen, die nun vor mir liegt. In jener Nacht ist mir alles klar geworden. Finjan indes schien das anders zu sehen. Er forderte einen Bericht von mir, also fasste ich ihm in knappen Worten zusammen, was sich zugetragen hatte am Vortag. Es schien ihn weder zu freuen noch zu beunruhigen, noch allzu verständlich zu sein. Nun, die Bedeutung derlei Dinge entzog sich nicht zum ersten Mal seiner Betrachtungsweise der Dinge.

Doch will ich zugestehen, dass ich selbst nicht genau erklären konnte oder jedenfalls verstand, warum meine Bestrafung in einer großen Ehrung lag und darin nun mit größeren Vollmachten ausgestattet worden zu sein.

Ich zweifelte jedoch nicht daran, dass der Sinn darin sich irgendwann offenbaren würde. Außerdem wird die mir zugewiesene Aufgabe große Entbehrungen und Herausforderungen mit sich bringen. Meine Chance, mich zu rehabilitieren, konnte in noch schlimmeres Unglück führen, wenn ich erneut versagte. Das Vertrauen, dass ich die Aufgabe dennoch meistern könnte, muss meiner Herrin genug gewesen sein, sie mir zu übertragen. Im Gegenzug allerdings verlangte sie diesmal absolute Hingabe. Müßig mit Finjan davon zu sprechen.  Derlei wird er nie verstehen. Außerdem hielt er mich von meiner wichtigen Arbeit ab. Der Aufbruch unserer Dämonenarche musste gut vorbereitet sein. Darum wimmelte ich den Kapitän ab, und widmete mich viele weitere Stunden den anzufertigenden Schriften.

Bis zum Abend war ich beinahe fertig. Zudem erlaubten meine Pflichten mir nicht, der Festivität fernzubleiben, welche der Kapitän in einem überraschend weitsichtigen Schritt für unsere neue Mannschaft ausrichtete. Zu anderen Zeiten wäre es ein sehr armseliges Fest geschmäht worden. Gleichwohl das Essen kläglich war, bot es der Besatzung einen gefüllten Magen in einer hungernden Stadt also schier ein Übermaß an Dekadenz. Aber der Kapitän hatte nur zu Recht, an Bord würden wir eine feste Moral brauchen. Und für die Seelenprüfung, der ich die Mannschaft noch in dieser Nacht unterziehen würde, war es ebenfalls ratsam, wenn alle zuvor etwas ausgelassen sein durften, besser Laune bekamen und mit Zuversicht auf die kommenden Ereignisse blicken würden. Ich gedachte dazu meinen Teil beizutragen. Zu diesem Zweck hatte ich noch in der Nacht, wie es die Art nicht zuletzt einer ganzen Reihe von Rhodensteiner Geweihten ist, einige unserer Abenteuer in ein Lied gefasst, welches der Mannschaft ein rechtes Bild unseres Kapitäns vermitteln sollte. Eine Abschrift füge ich diesen Unterlagen bei. Es erfüllte seinen Zweck. Nicht wenige machten große Augen, als sie nun erfuhren, unter was für einem Mann sie auf dieser Fahrt dienen würden. In jedem Fall kam richtig Stimmung auf, die Bardin hatte eine ganz ausgezeichnete Melodie für das Stück gefunden. So war Finjan der Boden bereitet für eine erste Kostprobe seiner kurzen aber zuweilen recht prägnanten Ansprachen an die Mannschaft. Ich sah ihn an, dass ihm die Aufmerksamkeit und das Getuschel der Krieger wegen des Liedes unangenehm berührten, doch stellte er das vorbildlich hinten an, ergriff seinen Krug und erhob sich zu einem Toast:

>>Ruhm und Ehre für die Mannschaft! Toden den Feinden. Ruhm und Ehre für die Götter! <<

Als ein Heer fielen unsere Truppen ein. Möge RONdra geben, dass wir so alle Zeit auf dem Schlachtfeld vereint stehen werden, dann wird großer Schrecken unserem Heer voranschreiten.

Die Lustbarkeiten gingen weiter, eine gute Gelegenheit, dieser Magistra Xindra ein wenig mehr auf den Zahn zu fühlen. Ein dubioser Magier an Bord genügte mir eigentlich voll auf. Außerdem stellte sie eine bedeutsame Verbindung zur Admiralität dar. Sie besser kennenzulernen war wichtig. Ich konnte mir denken, dass Finjan es vermieden hatte, ihre Bekanntschaft zu vertiefen. Ihre neunmalkluge Selbstgefälligkeit konnte ein weniger ausgeglichenes Gemüt als das des Kapitäns in Wallung bringen, dies zu bemerken hatte es nicht viel gebraucht. Andererseits hatte sie sich als überaus nützlich erwiesen und keinerlei leere Versprechungen gemacht, nachdem, was Finjan mir berichtet hatte. Im Gegenzug schien sie keine unmittelbaren Gefallen eingefordert zu haben, zeigt aber ein auffallendes Interesse an der Arche und dem Kapitän. Derweil wir uns im Tanze wogen, fragte sie mich unablässig über den Kapitän aus, recht unverhohlen will ich meinen.  Sie verließ sich aufs Reden, derweil mein Interesse an diesem Abend mehr galt, wie sie sich bewegte. Mein Geist war anderen Dingen zugewandt, wie ein Mensch seinen Körper einsetzt, vermag demnach einige aufschlussreiche Dinge zu verraten. Für eine Magierin waren ihre Bewegungen alles andere als steif. Ich hätte nicht übel Lust, mit ihr die Klingen zu kreuzen. Vermutlich beherrscht sie ihren Degen, in welchem Ausmaß ist allerdings offen. Sehr offen war auch ihre Körperhaltung. Sie ließ sich unbefangen auf unser Tänzchen ein, blieb locker und suchte nicht die Distanz wie jemand, der etwas zu verbergen hat. Für sich genommen besagt das alles nicht viel. Xindra ist eine Frage für später. Indes, als wir uns artig für den Tanz bedankten, kam mir in den Sinn, falls sie eine Lügnerin war, war sie vermutlich eine gute. Derweil schwelgten Kolokewski und der Kapitän noch auf der Tanzfläche. Kopfschüttelnd mischte ich mich unter das Volk. Meine Bitte, um einen Tanz hätte der Kapitän nie erhört. Während meiner Abwesenheit in Festum sind die beiden wohl endgültig dickste Freunde geworden.

Im Gewühl traf ich unversehens auf Erzbibliothekar Doschek, eines der vielen neuen Gesichter, die mit uns an Bord der Arche gehen würden, von denen ich aber noch nicht viel wusste. Unsere leichtfüßige Unterredung wurde jedoch bald darauf bereits wieder unterbrochen, als ich bemerkte, wie die Tür zum Kontor aufging und sich wieder schloss ohne, dass jemand herein gekommen zu sein schien. Als ich mich durch die Menge schob, um herauszufinden, was da los war, stieß ich auf eine Flut von Goblins, die soeben von der Tür her heranwogte, mit Groggi als Schaumkrone an ihrer Spitze. Sogleich griff ich mir Finjan, um zu erfahren, was bei allen Göttern die elenden Winzorks hier taten. In aller Seelenruhe erklärte er mir, dass er sie tatsächlich als Teil unserer Besatzung angeheuert habe! War das zu fassen? Was sollten wir denn mit einem eigenen Goblinstamm anfangen? Waren wir ein plündernder Orkzug oder die Marine der Göttin? Aber Finjan hörte mir nicht einmal richtig zu. Die Orkenflöhe sollten jedoch nicht die einzigen ungebetenen Neuzugänge an Bord bleiben, die in dieser Nacht vorstellig wurde, wenngleich die unangenehmsten. Mich seufzend von Finjan abwendend bemerkte ich ganz am Rande der Festivitäten den Geweihten RONdratreu, dem nicht im Geringsten der Sinn danach zu stehen schien, sich unter der Gesellschaft umzutun. Ich ging zu ihm hinüber, um nachzuhören, ob er beschafft hatte, worum ich ihn vor unserem Abschied am Vortag gebeten hatte. Er bestätigte, dass er habe, wonach ich verlangt hatte, doch es gefiel ihm ganz und gar nicht, was ich da vorhatte. Nun, die Senne Bornland hat ihren eigenen Blick auf diese Dinge und Umgebung sowie Anlass dürften ihm nicht gerade passend erschienen sein. Indes war seiner Besorgnis anzumerken, dass mehr dahintersteckte. Ich hatte ihm nicht Genaueres gesagt und beließ es dabei. Ich wusste, was zu tun war. Außerdem lag diese Sache bei mir. Kaum hatte ich mein Schwertgeschwister in seiner düsteren Stimmung zurückgelassen, wurde ich zum Kapitän gerufen- Dieser hatte, wie sich herausstellte, ein weiteres Besatzungsmitglied getroffen, das uns mitgegeben worden war, ohne dass wir bisher davon wussten. Es handelte sich um Kolja Drausnick, der sich ihm mit einem silbernen Ring am Finger vorgestellt hatte. Er dient uns aber als Navigator und überbrachte ein Geschenk: 15 Heiltränke in einer Truhe. Nun, es ruhen in der Tat eine Menge Augen auf uns, einige offenkundig wohlgesonnener als andere. Damit hielt sich nun eine weitere Kontaktperson bei uns an Bord auf. Bei dem, was vor uns lag, konnte das nur gut sein.

Gleichwohl begann ich mich umso mehr zu fragen, wer sich noch alles an Bord tummeln mochte, von dessen wahren Absichten wir nichts wussten. Für unser Unterfangen bedurften wir dieser großen Truppe doch über zweihundert kurzfristig angeheuerte Personen waren zu viel, um sicher zu sein, keine Spione, Saboteure oder Verräter an Bord zu haben. Wir mussten wachsam bleiben. Und jene, die mit ehrlichen Absichten auf unserer Seite stehen, müssen wir stärker binden. In dem Krieg, der heraufzieht werden wir Getreue aller Orten bedürfen. Noch ehe die Morgendämmerung herannahen würde, musste es beginnen. Doch noch war die Ankunft weiterer Besatzungsmitglieder und sonstiger Reisender nicht abgeschlossen.

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