Vorgetragen am: 07. August 2021
Somit hat es begonnen. Die neue Besatzung der Dämonenarche Gezeitenspinne hat sich in ihrem dämonischen Leibe festgesetzt. Das Vorhaben ist überaus umstritten, das weiß auch Oberin, doch der Geweihte hat sich gewandelt und seine Entschlossenheit ist größer denn je.
22.Firun 33 Hal/1026 BF, Messe zur Ausrufung des Bundes des letzten Befehls*
(Oberin erwartet die neue Mannschaft der Dämonenarche an der Backbordseite des Oberdecks. Ein brennendes Kohlebecken wurde bereitgestellt, daneben steht eine Opferschale Oberin trägt nicht sein Prachtornat, sondern seine einfachere Alltagsrobe, allerdings gründlich gesäubert und hergerichtet. Die Besatzung versammelt sich in einem weiten Halbkreis um den Geweihten. Sobald alle angetreten sind, hebt Oberin mit ausgebreiteten Armen zum Gebet an.)
„Mythrael, Eisengeflügelter!
Sei angerufen um Heil und Ruhm.
Lass Deinen lodernden Blick auf uns ruhen und empfehle uns der Unbesiegten.
Leite uns – flammenschwertbeschirmt – durch alle Dunkelheit an Rondrens Tafel!“
(Kampfgebet des Ordens zur Wahrung)
(Oberin lässt die Arme sinken und wendet sich an die Zuhörerschaft.)
RONdras Donnerhall für Euch! Ich bin Oberin Sturmbund von Vallusa zu Rhodenstein, Verkünder der Herrin RONdra.
Matrosen! Soldatinnen! Köche! Handwerkerinnen! Kundige der arkanen Künste! Offiziere! Geweihte! Alle, die sich hier versammelt haben, um sich unserer Sache anzuschließen – hört mich!
Gestern haben wir gefeiert, heute stehen wir vor einem Wagnis.
Ihr befindet Euch nun auf der Dämonenarche, die als >>Gezeitenspinne<< berüchtigt ist.
Drei Wochen ist es heute auf den Tag her (2.FIR bis 23.FIR?), da gingen wir an Bord, und brachten sie zu verstummen. Vielleicht hat jemand aus der Festumer Flagge davon erfahren?
Und nun glaubt Ihr, Ihr wisst, was hier geschehen ist, Ihr wüsstet womit Ihr es zu tun habt.
Ihr aber wisst nichts.
Der Kapitän blies das Horn und die Arche wankte
Der Kapitän erstürmte den Dämon und die Arche rannte
Der Kapitän räucherte das Frevlernest aus und die Arche erstarrte
Der Kapitän nahm sie in Besitz und die Arche gehorchte
Dies ist kein göttergefälliges Schiff. Es ist überhaupt kein Schiff.
Dies ist ein schwarzes Monstrum, ein achtbeiniges Scheusal. Es ist eine Bestie!
Wen das Unbehagen packt, angesichts dieses Scheusals, soll jetzt von Bord gehen. Ihr tut gut daran.
Wen die Furcht packt angesichts dieses dämonischen Monstrums, der soll jetzt von Bord gehen; keiner von Euch wird für feige gehalten werden.
Wen Zweifel packen, ob der Dienst auf dieser verderbten Bestie eine göttertreue Sache sein kann, der soll jetzt von Bord gehen; viele Kirchengelehrte sprechen diese Zweifel aus.
Jeder Mann und jede Frau gehe jetzt in sich, ob es die richtige Entscheidung sei, zu einem Teil dieser Unternehmung zu werden.
Niemand wird schlecht von jemandem denken, der beschließt, dieses verfluchte Gefährt zu fliehen wie die Pest. Ihr tut recht daran.
Euer Kapitän hat abgewogen, ob er das Biest in seiner Gewalt halten soll, anstatt es zu vernichten, nachdem er es unterworfen hatte. Ich habe abgewogen, ob ich ihm auf diese Brut der Niederhöllen folgen soll, statt sie vom Antlitz Deres zu tilgen, wie mir geboten ward. Wägt ebenso ab!
Was wisst Ihr vom Blut? Was wisst Ihr vom Opfer?
Blut ist RONdra heilig. Im Blut liegen Göttlichkeit und Leben. Der Hauch des göttlichen wohnt allein in Euren Seelen, doch das Blut in unseren Adern verbindet uns alle, die wir Teil der Schöpfung sind, Tier und Mensch, Menschen und Götter. Nach Eurer Seele ist nichts so kostbar wie Euer Blut. Eure Seele müsst Ihr jederzeit bei Euch hüten wie einen Schatz, sie ist unteilbar, und wer sie nicht umsichtig hütet, läuft rasch Gefahr, sie ganz und gar zu verraten. Über unser Blut aber können wir verfügen und es den Göttern opfern, zum Zeichen unseres Bundes mit ihnen. Blut ist das heilige Bundeszeichen, das uns alle verbindet, die Gemeinschaft der Gläubigen, und die Göttin.
(vgl. dazu S.89f.)
(Oberin geht zur Schale auf der Bordwand hinüber, schlägt über dem linken Arm das Gewand zurück, zieht den Opferdolch und fügt sich einen Schnitt bei, bis sein Blut zu fließen beginnt. Er lässt es in die Schale tröpfeln. Als genug beisammen ist, nimmt er ein ebenfalls bereit liegendes Tuch wischt die Klinge des Zeremoniendolches ab und steckt ihn zurück in die Scheide. Dann nimmt er ein sauberes Tuch, drückt es auf den Schnitt und bindet es fest. Anschließend nimmt er die Schale wieder auf, gibt – wie die am nächsten stehenden vielleicht erschnuppern – wohlriechende Harze hinzu, lässt dann die Schale kreisen, bis alles vermengt ist. Mit der Schale tritt er an das Kohlebecken heran.)
Große Göttin RONdra, schau herab auf Deinen demütigen Diener. Meinen Dienst an Dir werde ich verrichten, wohin Du mich auch entsendest. Das Wort von Dir und den Taten, die Dir wohlgefällig sind, werde ich verbreiten, wo ich gehe und stehe. Ich werde dort wieder das Böse einschreiten, wo Du es mir offenbarst, und wenn mich Dein Befehl in die finstersten aller Lande führen mag. Auf finsterem Grund wandele ich nun, und werde lange darauf stehen. Darum nimm dieses Blut als mein erstes Zeichen, dass ich den Bund mit Dir stets erneuern will, selbst dort, wo Dunkelheit ist und Verführung mich anficht.
(Oberin vergießt mit der Linken in einem Halbkreis einen ersten Teil seines Blutes aus der Schale über dem Kohlebecken.)
„Meine Herrin!
Dir will ich gehören ganz und gar, vor dir senke ich mein Haupt,
in deine Hände gebe ich mein Leben.
Von neuem widersage ich dem namenlosen Feinde und allen seinen Werken,
und gelobe, dass ich dich niemals durch meine Worte oder Taten beleidigen will.
Segne, o Herrin, diesen meinen Vorsatz, damit ich ihn treu erfülle.
Gib mir, o Himmlische, die Kraft, heute und zukünftig die Fehler zu meiden,
zu welchen mich meine Neigungen und Gewohnheiten so oft verleiten.
Lass, o Ehrenreiche, den Gehorsam in mir wachsen,
auf dass ich meinem Schwertmutter leiste, was ich soll.
Ich will mich redlich bemühen in deinem Geiste
täglich so viel Gutes zu verrichten, wie ich kann.
Denn dein Wille ist mir Befehl!“
(Tägliches formelles Gebet der Novizen, S.14)
Meine Herrin, einst war ich ein Novize, der jeden Tag dieses Gebet der Novizen Euch entgegensandte, denn lang und steinig ist der Weg, den Du uns abverlangen musst, bis wir würdig sind, zu einem Deiner Schwerter geschmiedet zu werden. Und selbst wenn uns das Namensschwert überreicht wurde, müssen wir uns stets erneut besinnen, nicht fehlzugehen, denn auch Deine Schwerter sind nur Menschen, die entlang einer abschüssigen Straße wandern.
(Oberin zieht Sturmbund.)
Siehe, hier ist Sturmbund und hier bin ich. Ich bin Dein Schwert, wo ich gehe und stehe. Das gelobe ich. Nimm dieses Blut als erstes Zeichen der Erneuerung meines Bundes mit Dir.
(Er gießt in einem ergänzenden Halbkreis die zweite Hälfte des Blutes in das Kohlebecken.)
Ein erstes Zeichen soll es sein. Mehr aber soll mein Blut, das ich in den Kriegen, die da kommen, für Dich vergießen werde, meine Treue zu Dir und unserem Bund belegen. An meinen Taten wirst Du mich messen.
Möge der Rauch meine Gebete hinauf in Die alveranischen Hallen tragen, auf dass nicht nur die hier versammelten meine Worte bezeugen mögen, sondern gleichsam Mythrael, Dein Herold, und Famerlor, Dein göttlicher Gemahl.
(Oberin küsst Sturmbund, bevor er das Schwert wegsteckt. Dann nimmt er ein sauberes Tuch, wischt die Opferschale aus, und legt alles zurück an seinen Platz, ehe er sich erneut an die Versammelten wendet.)
Dies ist ein besonderer Ort, mit einer besonderen Aufgabe und einem besonderen Schicksal. Fragt Euch, ob Euer Platz wahrlich hier ist. Denn wenn unsere Fahrt scheitert, so wird niemand kommen, uns zu retten. Wenn unser Weg fehl geht, werden wir verdammt werden. Auf dieser Fahrt haben wir nur einander.
Es ist nicht lange her, da fragte mich ein Mann, mit dem ich viel gereist bin, der mit mir Seite an Seite und Rücken an Rücken focht, ein Mann, mit dem ich an Orten voll des Grauens kämpfte: >>Was stimmt mit Euch nicht, dass Ihr als RONdra Geweihter mit einer Dämonenarche fahren wollt?<<
Ich weiß, dass diese Frage unausgesprochen in den Köpfen vieler aufgeflammt ist. Ich habe es hinter ihren Augen gesehen. Euch werde ich die Antwort darauf geben.
Glaubt nicht, ich stünde hier vor Euch, um mich zu rechtfertigen. Ich bin Oberin Sturmbund von Vallusa zu Rhodenstein, Verkünder der RONdra – Euch schulde ich keine Rechenschaft.
Zu Euch spreche ich, weil Ihr angetreten seid, dieselbe Fahrt zu unternehmen wie ich. Noch seid Ihr es nicht, aber ich weiß, ehe diese Fahrt an ihr Ende kommt, welches Ende auch immer das sein wird, werdet Ihr meine Waffengeschwister sein. Darum sollt Ihr wissen, was Euch erwartet, und entscheiden, ob dieser Zug es Wert ist, Euer Leben und mehr noch Eure Seelen darauf zu setzten. Auch Ihr werdet Blut opfern und vielleicht noch mehr.
Unter Euch sind Abgesandte von einigen, die nicht an diese Unternehmung glauben, deren Augen wachsam auf uns ruhen – und das ist gut, damit wir niemals vergessen, an was für einem unheiligen Ort wir sind. Indem wir diese Fahrt unternehmen, werden wir uns beweisen müssen. Seid eingedenk, auch vor diesen Abgesandten werde ich mich nicht rechtfertigen.
Ich bin Oberin Sturmbund von Vallusa zu Rhodenstein, Verkünder der Herrin RONdra.
Doch berichtet nur jenen, denen Ihr dient, wovon hier gesprochen wurde. Denn wenn Ihr mit uns kommt auf diese Fahrt, werdet Ihr ebenso meine Waffengeschwister werden, und es gibt keinen Grund, mich über das Urteil meine Waffengeschwister zu beunruhigen.
Wer hier dient, tut das nicht, um sein Brot zu verdienen.
Wer hier dient, tut das nicht, weil sie frei von Zweifeln ist.
Wer hier dient, tut das nicht, weil es sein Traum war oder die Ehre es ihr gebietet.
Es gibt keine Pflicht, die Euch an diesen verfluchten Ort führt.
Wer hier dient, der tut es, weil er weiß, dass jetzt etwas geschehen muss.
Wer hier dient, die tut dies, weil sie nicht länger tatenlos erdulden kann, wie unsere Familien leiden, unsere Reiche fallen und unsere Götter und Göttinnen ungesühnt verhöhnt werden.
Wer hier Dienst tut, tut dies, weil in seinem Inneren der Glauben brennt, dass die Tyrannei der Mörder, Verräter und Ketzer Einhalt geboten werden kann und muss.
Aber wie? Wie soll das möglich sein?Die Schwarzen Lande rennen gegen uns an, ob bei Tag oder Nacht. Das Schwarze Eis breitet sich aus. Es gibt kaum genügend Schiffe in der Blutigen See, sie aufzuhalten, und keine Macht, die sie zurückhalten könnte. Kapitän Rateral Sarin III., der die Seeadler, sein eigenes Schiff, stahl, um das Richtige zu tun, ist dort draußen mit seiner Mannschaft und kämpft. Die bornische Marine, die Piratenjäger, die Efferdbrüder sind dort draußen und kämpfen; die Schiffe Stoerrebrandts und des Reiches sind dort draußen und kämpfen; aber sie sind zu wenige. Sie brauchen Unterstützung. Jemand muss die Dämonen angreifen und jemand muss ihnen wehtun, um zu zeigen, dass die Dämonenanbeter verwundbar sind. Um zu zeigen, dass diese Verderber der Menschen geschlagen werden können, nicht nur einmal, sondern wieder und wieder und wieder! Um eine neue Erhebung gegen das Blutige Unheil anzustoßen. Jemand muss die Dämonen herausfordern. Es ist an der Zeit, zu tun, was so lange nicht getan worden ist.
Aber wie? Wie soll das möglich sein, wenn so viele tugendhaft für die Götter ins Feld gezogen sind und doch bis heute zu wenige Ihnen zur Seite gesprungen sind, um den alten Feind endlich zurückzudrängen?
Seid der Heiligen Magarete Löwinsang eingedenk:
Die Heilige Magarete von Antiochia war noch eine Novizin, als sie in einer Stunde größter Not da alles verloren schien, vor die Stadt trat, um sich freiwillig vom Drachen, dem Unbezwingbaren, verschlingen zu lassen.
Warum tat sie dies?
Nicht weil die Lage aussichtslos schien.
Nicht weil es keine Hoffnung mehr gab.
Nicht aus Hochmut.
Nicht aus Verzweiflung.
Nicht weil sie keine Kraft mehr zum Kämpfen besaß, sondern weil sie keine Waffe besaß, die stark genug gewesen wäre, den Panzer des gewaltigen Drachen zu durchstoßen. Alles, was sie aufgeboten hatten, war am geschuppten Leib der Bestie abgeglitten, hatte sein schleimiges Schuppenkleid nicht einmal angekratzt. Tot lagen die Soldaten auf dem Schlachtfeld, all ihr Mut und ihre Anstrengungen hatten nicht gereicht, das Untier niederzuwerfen.
Margarete hätte es ihnen gleichtun können, todesmutig gegen den Unbezwingbaren anrennen können, bis er zuletzt auch sie erschlug. Das wäre ehrenhaft gewesen und hätte doch weder dem Reich noch den Menschen darin gedient, denn unbekümmert wäre die Bestie danach weiter umhergezogen, brennend und mordend.
Um das Opfer der Gefallenen zu würdigen, um Volk und Ordnung zu bewahren, musste Margarete sich auf eine andere Taktik verlegen, die nicht weniger ehrenvoll war und gar noch größeren Mut verlangte, doch vor allem bedeutete, die Ungewissheit auszuhalten und es hinzunehmen, von der abscheulichen Kreatur an Leib und Seele besudelt zu werden. Doch was bedeutet die Bürde, die einer Kriegerin auferlegt wird, gegen das Wohl aller? Was bedeutet die ihr auferlegte Bürde gegen den Befehl RONdras?
Also stellte sich die Novizin der Herausforderung, die RONdra ihr angedeihen ließ, in der Gewissheit, dass die Herrin uns stets durch Aufgaben prüft, denen wir gewachsen sein können.
Also stellte sich die Novizin dem Unbezwingbaren in kalter Todesverachtung in den Weg. Und als sein ekles Maul vorstieß, um sie von grausamer Gier erfüllt und voll unbändigen Zornes zu zerreißen, da hörte sie auf, gegen ihn anzukämpfen, und warf sich ihm ins Maul, woraufhin der Drache die Novizin bei lebendigem Leibe verschlang. In blinder Wut und ohne Ahnung der Gefahr, nahm der Drache selbst Magarete auf diesem Wege in sich auf. Er versuchte, sie zwischen seinen Zähnen zu zermalmen, sie aber sprang durch seinen grauenerregenden triefenden Schlund, um ganz hinab bis in seinen Bauch zu tauchen. Dort machte Margarete sich ans Werk.
Für die Beobachter muss es hoffnungslos ausgesehen haben. Ihre letzte Streiterin war gerade vor ihren Augen von dem abscheulichen Ungetüm mit einem Happs verschlungen worden und der Weg ins Land stand ihm nun offen.
Doch das, was wirkte wie Selbstmord, war die einzige Tat, die es erlaubte, an die verwundbaren Stellen des stahlharten Drachenleibes heranzukommen. Denn in seinem Inneren war der Drachen so weich wie ein Wurm. Die verschlungene Margarete zögerte nicht. Sie hob die Arme dorthin, wo das Licht der Alveranierin leuchtete, und schwor, dass sie sich bis dorthin hinaufarbeiten würde, wo sie wieder das Licht sehen konnte, damit die Walkürja sie bei ihrem letzten Atemzug finden würden. Dann nahm sie ihr Schwert und betete. Mit jedem Wort, das von ihren Lippen kam, hieb sie auf den Drachen ein und brachte ihm eine tiefe Wunde bei. Das Untier wand und krümmte sich, stimmte ein Mordsgebrüll und Geheul an, dass ganze Wälder einfach umgeknickt wurden, aber Margaretes Stimme war fester. Ohne zu zaudern, betete sie weiter den Segen Sankta RONdragabunds. Das Monster war stehen geblieben, sich nun auf dem Boden zu wälzen, um das Stechende Ding in seinem Inneren zu zerquetschen, dass ganze Berge zum Einsturz gebracht wurden, aber Margaretes Stimme war unnachgiebiger. Ohne zu verstummen, betete sie weiter das Sankta Ardare. Die Bestie verfiel dem Wahnsinn, als es nun das Licht der Göttin selbst in sich aufgleißen spürte. In seinem grauenvollen Toben, welches das Land verwüstete, warf sie sich mit gigantischem Getöse in den tiefsten Abgrund und zerschmetterte sich selbst an dessen Grund, aber Margaretes Stimme war lauter. Ohne zu frohlocken, betete sie weiter das Gebet der Novizen, und die Leute ringsum vernahmen es und eilten herbei. So schnitt sich die Heilige Margarete Löwinsang von innen nach außen aus dem Leib des Drachen wieder heraus ins Freie und tötete den Unbezwingbaren. Mit ihrer unkonventionellen Tat errettete ein Mädchen eine ganze Stadt vor einem Ungetüm, dem das größte und tapferste Heer nichts hatte anhaben können.
Hört mich, alle die Ihr hier angetreten seid, mit uns an Bord dieser verdammten Dämonenarche zu fahren. Ich warne Euch, dass wir ein großes Wagnis eingehen und jene zahlreich und einflussreich sind, die mit grimmen Zweifeln auf unser Unterfangen herabschauen. Ich warne Euch, jede und jeder bedenke genau, ob der Kampf, den wir führen werden, es wert ist, so viel auf sich zu nehmen. Selten wird in Kriegen so viel von Kämpfenden gefordert, wie von Euch gefordert werden wird.
„Es gibt immer eine Klippe, die noch niemand erstiegen,
es gibt immer einen Strom, den noch niemand durchschwommen,
es gibt immer einen Feind, den noch niemand bezwungen.
Doch ob Klippe, ob Strom, ob machtvoller Feind,
wir sind die Klinge, die RONdra selbst führt!
Wir sind der Stahl, den sie in heißer Lohe schlug,
wir sind die Schneide, die sie funkensprühend schärfte.
Wenn euer Herz bebt im Angesicht des Feindes, lasst es beben,
wenn die Furcht euch wie Fieber befällt, lasst sie brennen,
heißt das Beben willkommen, entfacht die Fieberhitze zur Glut,
denn es sind dieselben Kräfte, mit denen RONdra uns formte!
(Fasst Mut, Gefährten!, S.14)
Ich stehe nicht als Scharlatan vor Euch, ich sage Euch, was wir zu erwarten haben.
(Oberin zieht den Brief von Ayla vom Schattengrund aus seinem Gewand hervor und hält ihn gut sichtbar in die Höhe…)
Darum zeige ich Euch dies: An mich erging persönlich der direkte Befehl des Schwertes der Schwerter, Ayla vom Schattengrund, der obersten der RONdra Kirche, die Dämonenarche, auf der wir alle nun stehen, unmittelbar nach ihrer Einnahme zu vernichten und auf dem Grund der Blutigen See zu schicken.
Nun mögen die aufrechten Herren und die weisen Ratgeberinnen und alle, die Ihr hier versammelt seid, einmal bedenken: Ist die Blutige See denn anders als der Unbezwingbare?
Das Reich hat weder genug Schiffe noch genug Truppen, um die Blutigen See zu besiegen. Die aufrechten Herrinnen und die weisen Ratgeber haben nicht genug Kräfte, dies zu tun. Es fehlt an Waffen, an Geld, an Nachschub. Und am schlimmsten: Inzwischen fehlt es an Willen und Mut, der Blutigen See die Stirn zu bieten.
Was nützt das unermüdlich tapfere Werk von Kapitän Sarin und der Besatzung der Seeadler, wenn niemand ihr beisteht? Was nutzt der Mut, der vereinten bornischen Marine, der Piratenjäger und der EFFerdbrüder, wenn nur so wenige kommen ihnen beizustehen?
Während Kapitän Petterson und ich eine Weile an Bord der Seeadler dienten, sagte man uns, Archen müsse man von innen töten.
Gewiss, heute sind wir bereits in den Bauch der Bestie eingedrungen, stehen siegreich auf ihr, könnten sie vernichten, um ans Licht zurückzukehren. Das wäre ehrenvoll. Das wäre einfach.
Oder wir tun, was keiner je vor uns tat!
Die Blutige See ist ein Drache mit dreizehn Leibern. Wir nehmen die Arche in Besitz und dringen damit noch tiefer in den Leib des Feindes vor, bis ganz nach innen. Wir bringen sein Blut zum Kochen, wir fügen ihm so lange Wunden zu, bis wir uns zuletzt von ganz innen nach ganz außen schneiden können. Diese Arche wird unser Werkzeug sein.
Wer unter Euch hat das Schwarze Eis rings um uns gesehen? Wer das hat, weiß, was uns allen droht.
Wer unter Euch hat den Feind je gesehen? Wer hier hat ihm je Auge in Auge gegenübergestanden, oder seinen Dienern? Wer das hat, der weiß, wie er ist.
Sie verstecken sich in Kindern! Habt Ihr das denn nicht gesehen?
Dämonen sind schlimmer noch als Orks und keines ehrenhaften Kampfes würdig.
Wie lange glaubt Ihr, hält Vallusa dem Schwarzen Eis noch stand?
Und wenn Vallusa fällt, wer fällt als nächstes? Vielleicht Festum? Vielleicht Neersand? Oder gleich ganz Tobrien? Das Bornland?
Von schwarzen Ranken werden Eure Städte selbst erdrosselt! Und wir sollen ungerührt aushalten wie ein Baum, der letztlich doch an den ihn umschließenden Würgern stirbt?
Wollt Ihr ausharren, bis das Schwarze Eis Festum überwuchert und die blutige See die Überreste fortwäscht?
Wollen wir nur dastehen und machtlos zuschauen, weil wir aller Kräfte beraubt sind?
Ich entstamme der Nordsenne meiner Kirche. Manche unter Euch wissen, dass wir in der Nordsennen nicht immer einer Meinung sind mit den Kirchenführern in Perricum.
Doch glaubt nicht, ich hegte nicht zutiefst empfundene Achtung, Respekt und Ehrerbietung für die Oberste der Kirche meiner Göttin. In Perricum begegnete ich Ayla vom Schattengrund, ich speiste an ihrer Tafel. Und dies war nicht das erste Mal, dass ich sie erblickte.
Vallusa war schon einmal der Ort, an dem wir standgehalten haben. Der Erzverräter Borbarad erlitt dort seine erste Niederlage in der Schlacht auf den Vallusanischen Weiden. Ich war dort, eben erst meiner Herrin geweiht. Ich sah dort das Schwert der Schwerter Ayla vom Schattengrund allein gegen Karmoth stehen. Ich stand an der Seite meines Onkels, des Geweihten Siegrond Wolfsfluch, dessen Orden ich beigetreten bin. Zahlreiche Kameraden starben auf den Weiden und auch einer meiner Brüder. Er war kein Krieger, sondern ein einfacher Mann, ein Uhrmacher, der Herd und Familie beschützte, seine Stadt verteidigte, der aufrecht vor den Göttern stand – ein Mann von Ehre. So viel Schmerz widerfuhr uns auf den Vallusanischen Weiden, aber wir hielten stand! Glaubt Ihr, ich will all diese Dämonen, Paktierer und Verräter nicht genau so tot sehen wie Ihr?
Dies ist kein göttergefälliges Gefährt. Die Schwarzen Lande sie keine göttlichen Lande.
Aber ist eine Armee, die in den Schwarzen Landen einmarschiert, sie niederzuwerfen, eine von den Göttern verlassene Armee? Nein, ist sie nicht!
Ich bin Oberin Sturmbund von Vallusa zu Rhodenstein, Verkünder der Herrin RONdra!
Ich bin ein Schwert meiner Göttin. Ich kämpfe, wo immer sie mich hin befiehlt, wo immer eines ihrer Schwerter gebraucht wird. Wo immer sie mich hinstellt, für ihre Ehre zu streiten, ihr Licht zu den Menschen zu tragen und jene in ihrem Namen zu beschützen, die wehrlos ihren Peinigern gegenüberstehen.
„Herrin auf Alverans Zinnen.
Im tosenden Sturm stehst du beharrlich,
im gleißenden Blitz reckst du die Waffen,
im prasselnden Regen dampft deine Brünne,
denn dein Wille und deine Macht lodern heißer als Feuer!
Zwischen uns Sterblichen und dem ewigen Verderben
steht dein Gebot zu kämpfen,
stehen deine Lehren von Mut und Tapferkeit
und dein Sinn dafür, dass wir das Recht und die Plicht haben,
uns selbst zu verteidigen!
(Hausgebet im Orden der Hohen Wacht, S.19)
Heute bin ich auf die Zinnen dieser eroberten Feste des Feindes gestellt. Das Wort der Herrin hat mich hierhergeführt. Die Zinnen dieser Feste wurden mit Blut genommen, vallusanischem Blut! Sollen wie sie einfach wieder preisgeben? Wollt Ihr mit mir an der Seite von Kapitän Petterson die Zinnen gegen den Feind halten, um sein Land zu bedrohen, oder nur die kleinste seiner Festen schleifen und unverrichteter Dinge wieder abziehen?
Eines gibt es, das steht allen Geweihten der RONdra über dem Befehl der Vorgesetzten: Es ist die eigene Ehre. Wenn die Zeit kommt, werde ich mich allein vor meiner Göttin Löwinmut verantworten. Wer mit uns ziehen will, der frage sich: Vor wem werdet Ihr Euch verantworten? Denn wenn unsere Fahrt misslingt, wird ein jeder und ein jede sich verantworten müssen, sei es vor einer derischen oder einer göttlichen Macht.
Ich bin bereit, mich zu verantworten vor der Göttin, wenn sie Rechenschaft von mir fordert, was ich in ihren Diensten geleistet habe, welche Taten ich getan und welche ich unterlassen habe. Denn ich habe gesehen, und ich kann nicht die Augen verschließen, als hätte ich es nicht. Meiner Göttin Segensreich zu dienen bedeutet, mich zu entscheiden, wie ich dienen muss.
Ich habe Vallusa gesehen und zu meiner Schmach muss ich eingestehen, dass es nur noch ein Schatten seiner selbst ist. Gebeugt vom Schatten der Schwarzen Lande, des Schwarzen Eises, der Blutigen See. Die Stadtwache verdient diesen Namen kaum mehr. Aber als Kapitän Finjan Petterson das Horn des Herrn EFFerd blies, da folgten sie ihm, Bürger und Wachen, seine Söldner und Matrosen und er führte sie gegen die Arche, nahm und eroberte sie, bis kein Dämon, Verräter oder Pirat mehr am Leben war. Sie waren der Stoßtrupp, der die Festung des Feindes eroberte – Ihr aber seid die Streitmacht, die sie gegen ihn bemannen wir. Sie waren der Wind, der die Äste schüttelt, Ihr aber seid der Sturm, der den Wald Baum um Baum ausreißen wird. Im Sturm ist die Stimme der Leuin. Im Sturm tanzt ihr Gemahl Famerlor – nicht den eleganten Tanz der Schwerter, den rauen Tanz des Krieges.
Viele, die dem Kapitän bis hierher folgten, folgen ihm weiter. Besatzungsmitglieder seines alten Schiffes, seine gesamte Leibgarde. Mein anderer Bruder kam mit ihm in Vallusa an Bord, er selbst ein Geweihter des starken INGerimm, und wird an der Seite des Kapitäns stehen. Denn wir werden abermals standhalten! Wir in Vallusa waren stets das Bollwerk gegen die Dämonen. Wir werden es auch sein, die sie wieder aus Tobrien verjagen. In Vallusa hat es begonnen, mit Kapitän Finjan Petterson hat es begonnen, in Festum ging es weiter, mit Euch geht es weiter und von hier aus werden wir es die Küsten entlang verbreiten, nach Khunchom, nach Maraskan, letztlich sogar bis Perricum, in der ganzen Blutigen See. Wir werden es verbreiten, das Wort, das besagt: Wir werden standhalten! Gemeinsam! Seite an Seite! Mit Feuer, Blut und Eisen werden wir das Wort verbreiten, dass die Herrschaft der Blutigen See dereinst zu ihrem Ende kommen wird! Denn wir werden wieder standhalten, jetzt, hier, wider den Dämon!
Bringt das Tier!
(Der Bock wird vom Geweihten RONdratreu herbeigeführt. Oberin deutet mit ausgestrecktem Arm darauf.)
Sehet! So wie dort das Tier vor uns geführt wird, so wird die Große Göttin Siegesreich uns die Schar der Dämonen, die dieses und alle anderen Länder der Blutigen See widerrechtlich an sich gerissen haben, zuführen. Die Leuin gewährt uns diese Aufgabe, sie – KOR mit uns – zu vollstrecken. Wir werden nicht ruhen, jeden einzelnen von ihnen zurück in die Niederhöllen zu treiben, wo sie einander in ihren verderbten Herrschaftsgelüsten für alle Zeit gegenseitig quälen mögen.
(Oberin wendet sich nun an den Bock, der Menge nicht länger achtend, und redet grimmig auf ihn ein.)
Herrscht in den Niederhöllen über Eures Gleichen, liederliches Dämonengezücht- doch nicht auf Dere, denn hier wachen jene, die den Göttern dienen!
Dein Anblick vermag nicht, mich zu täuschen, Dämon.
Weich und anschmiegsam das Fell, wohlgeformt und stark das Gehörn, klein von Gestalt.
Deine Erscheinung mag uns nicht zu täuschen, Deine Gestalt ist belanglos, Du bist immer gefährlich, wie Du Dich auch gibst, und in Dir ist nichts als Bosheit, Trug Dein ganzes Wesen, reine Bosheit Deine Natur – doch wir sind wachsam.
Wir töten Dich, Dämon Erzverräter.
Dein Erscheinen ängstigt mich nicht, Dämon.
Übermächtig scheinst Du, nicht aus Fleisch noch Blut, ein Unding, kein Teil der Schöpfung, Deine Existenz grässlicher Hohn. Wäre ich nur ein Mensch, ich zitterte vor Deiner Präsenz. Aber ich bin das Schwert der Göttin Ehrenreich, deren starker Arm Dich zerschmettern wird!
Wir sind die Diener der Götter, wir vollstrecken mit KOR ihr Urteil, wir töten Dich, Dämon Erzvernichter.
Dein Vermögen vermag nicht mich zu locken, Dämon.
Dir sind Kräfte zu eigen, das Wünschen der Menschen vor ihren Augen wahr werden zu lassen. Doch was Du zu bieten hast, ist nichts als eitler Tand, Plunder gar – denn inwendig ist alles, was Du gebierst faul und verrottet. Du hast nichts zu bieten, was den Preis meiner Ehren, den Preis einer Seele aufwiegen könnte. Geh und stirb, Blender, denn einzig der Götter Lohn wird uns Labsal sein. Deine Gaben verbrennen wir auf dem Scheiterhaufen zu Asche und erst so sollen sie gereinigt sein. Wir töten Dich, Dämon Erzverführer.
Der Macht über den Geist bist Du beraubt, denn ich stehe als Diener der Göttin. Versuche Deine Macht über meinen Leib, doch ich werfe Dich nieder, Dämon, denn die Göttin ist mit mir!
(RONdratreu lässt den Bock von der Leine. Oberin ringt mit dem Bock, bis er sich nicht länger wehrt. Dann hält er ihn beim Horn, zieht den Opferdolch und schneidet damit dem Bock die Kehle durch und lässt ihn ausbluten. Stille herrscht bis auf das Röcheln des sterbenden Tieres. Als all sein Blut ausgelaufen ist, hebt Oberin erneut die Stimme.)
Sieh! Mit dem Glauben an die Götter bist Du bezwungen.
Du bist den eigenen Ränken erlegen und verführt. Stirb, Dämon!
Du bist mit Deiner Kraft unterlegen und vernichtet. Stirb, Dämon!
Du bist von Deinesgleichen im Stich gelassen und verraten. Stirb,
Dämon!
Stirb, Dämon und wisse, so wie Du stirbst, wird jeder Zant auf Dere sterben.
Wisse, so wie Du stirbst, wird jeder Söldner von Yaq Monnith auf Dere sterben.
Wisse, so wie Du stirbst, wird jeder namenlose Dämon auf Dere sterben.
Wisse, so wie Du stirbst, wird jede einzelne Arche auf Dere sterben, bis die Letzte unter
Euch getilgt sein wird.
Der Macht über den Geist seid Ihr ledig, denn wir stehen hier als die Diener der Götter. Versucht Eure Macht über den Leib, doch wir werfen Euch nieder, denn die Götter sind mit uns.
„Heute, Herrin, gibt es kein Zurück, kein Schonen der Kräfte,
heute wird das Blut auf meinem Schwert nicht trocknen.
Mein Geist ist gestählt, stähle du, o Herrin, nun meinen Leib,
lass deine Wildheit meine Adern durchströmen,
so dass mir die Kräfte nicht versagen, bis der Sieg der unsre ist!“
(Gebet vor einem Kampf, S.11)
(Oberin erhebt sich, stemmt das tote Tier in die Höhe und schleudert es hinab in die See.)
„Heil dir, Hlûthar! RONdra mit dir!
Du bist der Herrin silberne Klinge!
Wir schreiten mit dir in heiliger Lohe,
im Glanz deiner Kühnheit sind wir vereint!
Finsteres Feuer brach aus dem Fels,
doch er schritt voran.
Stinkender Brodem raubte die Sicht,
doch er schritt voran.
Dämonen drangen in seine Bahn,
doch er schritt voran.
Heil dir, Hlûthar! RONdra mit dir!
Du bist der Herrin silberne Klinge!
Wir schreiten mit dir in heiliger Lohe,
im Glanz deiner Kühnheit sind wir vereint!
(Choral des Heiligen Hlûthar, S.27)
(Mit feurigen Augen wendet er sich um.)
Wir werfen sie alle ins Meer, stürzen sie in die Klüfte, werfen sie dem Dschungel zum Fraß vor! Einen nach dem anderen!
Dazu werden wir Verbündete brauchen. Wir sind nur ein kleiner Teil einer größeren Gemeinschaft, die es aufzubauen gilt.
Heute zweifeln Sie noch an uns – wir werden sie überzeugen.
Denn wir kennen nur einen Feind. Wir haben die Götter nicht verlassen und werden es niemals tun. Und die Götter werden uns nicht verlassen, nur weil wir unseren Dienst auf diesem gefährlichen verfluchten Gefährt hier versehen. Nein, die Götter werden bei uns sein, in jedem unter Euch, in Eurem Tun und Eurem Glauben!
Dies ist kein göttergefälliges Schiff, aber eine göttertreue Mannschaft!
An Bord herrschen Ordnung und Disziplin! Und doch werden RAHja und HESinde unter Euch wandeln, denn Ihr tragt sie in Euren Herzen. Solange Ihr die Götter in Eurem Herzen tragt, werden sie sich Eurer wohlwollend erinnern. Steht zusammen! Wenn jeder von Euch seinen Glauben, seine Treue den Anderen gibt, werden wir die Dunkelheit dieser Dämonenbarke in Schach halten.
Der Befehl des Schwertes der Schwerter, Ayla vom Schattengrund, er ging an mich, diese Dämonenarche sofort zu zerstören. Doch ist es nicht an mir, dies zu entscheiden, die Arche steht, unter dem Kommando von Finjan Petterson. Aber glaubt nicht, ich würde den Befehl der obersten meiner Kirche nur einen Augenblick vergessen. Ich schwöre hiermit vor Euch allen bei meiner Ehre, der Befehl Aylas vom Schattengrund wird erfüllt werden und wenn es mit meinem letzten Atemzug ist. Wenn die Dämonenarche ihren Zweck erfüllt hat, wenn der Kapitän das Schiff aufgibt, spätestens, wenn der letzte Dämon gebannt und der letzte Ketzer verbrannt ist, werde ich diesen Befehl ausführen. Bis dahin soll es alle Zeit der letzte Befehl für mich sein, und ich weiß, jeder von Euch, der sich uns anschließt, wird bereit sein, an meine Stelle zu treten, diesen Befehl auszuführen, wenn die Stunde dazu gekommen ist, sollte ich zuvor fallen, obwohl er nicht an Euch ergangen ist.
Denn wer hier Dienst tut, ist keine einfache Soldatin, kein einfacher Matrose, keine einfache Handwerkerin oder einfacher Koch. Wer hier seinen Dienst tut, ist Teil einer Geschwisternschaft, eines Bundes, der sich zum Ziel setzt, die verlorenen Reiche in der Blutigen See für die Göttertreuen zurückzuerobern. Wer hier Dienst tut, ist Teil eines Bundes wider den Verfall, den Frevel und die Vernichtung der zwölfgöttertreuen Lande und ihrer Völker. Wir tragen diese Bürde gemeinsam. Denn jeder Einzelne und jede Einzelne von Euch, die mit uns in See stechen, wird zu einem Teil der stärksten Streitmacht, die auf der Blutigen See für die Zwölfgöttertreuen Lande im Feld steht. Und mit Euch an Bord ist mir nicht bang!
Diese Dämonenarche soll das Instrument unseres Zorns sein, die Waffe, mit der wir die Blutige See zerschmettern werden! PHEx wird sich ins Fäustchen lachen, wenn wir im Gewand des Feindes seine eigenen Waffen gegen ihn führen. Swafnir wird uns durch alle Gewässer führen. Wir werden unter des Herolds Mythraels wachsamen Blick über uns am Firmament die Küsten sichern; Famerlor wird im Sturm um uns sein, wenn wir in rasender Hatz das Meer befreien; und der Schatten KORs des Vollstreckers wird Angst und Schrecken unter unseren Gegnern säen, wenn wir die Schwarzen Lande zurückerobern, zurückholen, was sie raubten. Wir werden eine Jagd liefern, an der der grimme FIRun seine Freude haben wird. Wir werden EFFerds Reich säubern, bis das einzig rote in diesem Meer wieder der freie Dschungel Maraskans ist!
Die VII. Regel des KOR, wie sie mich einer seiner Geweihten auf Maraskan lehrte, fordert nach der Freude im Sieg zu lechzen, nicht in Harmonie. Und dennoch werden unsere Freunde uns an diesen Taten erkennen. Denn in einem Punkt hat Ayla vom Schattengrund unzweifelhaft recht: „Nur im Kampf können wir uns bewehren. Der Wille der Herrin ist unser Befehl.“
Hiermit erkläre ich: Wir sind der Bund des letzten Befehls.
Unsere Losung lautet: Götterfreund und aller Dämonen Feind!
Einst war dies die Gezeitenspinne – doch das soll sie nicht länger sein. Ihr Kapitän ist tot, ihre Mannschaft vernichtet. Wir brachten sie zum Schweigen. Stumm liegen sie im Grab der See und kein Frevel kommt mehr über ihre fischigen Lippen. Die Arche selbst wurde von Kapitän Petterson niedergeworfen und in unsere Hand gebracht. Ihr alter Name sei getilgt und vergessen. Mit neuem Namen soll sie der Schrecken unserer Feinde sein, ein Name, den ihre Diener nur flüsternd werden auszusprechen wagen. Es sei verkündet, bis zum ihrem Ende laute ihr Sklavenname: >>Die Zinnen der Sühne<<, und jeder Feind, der die Zinnen der Sühne vor seinen Mauern erblickt, der wisse, das die Buhle der Buße gekommen ist, das Femgericht über ihn zu halten und alle seine Sünden im Sühnefeuer zu läutern, bis sein Boshaftigkeit zermalmt ist, dem Zorn der Götter genüge getan, und das Urteil gegen ihn vollstreckt, damit er niemals wieder auf Dere die Seelen der Göttergefälligen bedrohen kann.
Der Fluch, den uns die Goldmorgentarantel entgegenschleuderte, als wir auf der Seeadler gegen sie im Gefecht standen, lautete: >>Der Hunger der Gold-Morgen-Tarantel wird der Wind in unseren Segeln sein! Die Perlenmeerflotte das Blut unter unserem Bug!<<
Die Zinnen der Sühne wird dieser Herausforderung entgegentreten. Wir werden verkünden: >>Geläutert werden sollen die verderbten Feinde der Götter durch das reinigende Feuer und zerschmettert die verfemten Dämonen unter unseren wuchtigen Hieben!<<
Wir sind der Bund des letzten Befehls. Götterfreund und aller Dämonen Feind!
Die Götter haben uns eine Waffe in die Hände gelegt. Das hier ist unsere Chance. Lasst sie uns nicht vertun. Wenn wir uns der Waffe des Feindes in Namen der Zwölfe zum Kampf gegen ihn bedienen, wird es ihn gleich doppelt schmerzen. Ich bin die Klinge RONdras. Ich werde sie gebrauchen! An der Seite Kapitän Finjans von Neersand springe ich in den Schlund des Drachens bis in sein Innerstes. Auf dem Weg zurück ins Licht der Göttin wird jedes Wort ein Hieb sein, jedes Gebet ihm hundert Wunden schlagen!
Ihr wurdet gewarnt. Ihr wurdet belehrt. Ihr werdet gefordert werden. Darum prüft Euch selbst.
Ich frage Euch ein letztes Mal: Wer wird uns unterstützen? Wer wird mit uns ziehen? Wer wird uns seinen Segen geben? Wer steht mit Kapitän Petterson wider alle Dämonen?
Nicht mit allen Zweiflern in einigem Bund werden wir von hier gehen, aber wir lassen uns nicht aufhalten. Wir nehmen das Monster und töten den Leib der Bestie. Jeder, der sich in unverbrüchlicher Treue zu den Göttern unserer Sache anschließt, wird uns willkommen sein.
Denn wir sind der Bund des letzten Befehls. Götterfreund und aller Dämonen Feind!
Werdet Ihr an unserer Seite stehen?
(Oberin reißt erneut Sturmbund aus der Scheide und stößt ihn mit jedem Ruf gen Himmel.)
Non nobis Domina, non nobis, sed nomini tua da gloriam!
Non nobis Domina, non nobis, sed nomini tua da gloriam!
Non nobis Domina, non nobis, sed nomini tua da gloriam!
*Anmerkung: Im Nachhinein wurde der Text dieser Messe als >>Die Apologie des Oberin Sturmbund von Vallusa zu Rhodenstein<< bekannt
