[4.7] Gedanklich in Perricum

Tagebuch des Oberin Sturmbund
[4.7] Gedanklich in Perricum
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Gespielt am: 11. Mai 2019

Am zweiten Tag ihrer Reise durch die Trollzacken zum Landeplatz der Seeadler von Beilunk findet Oberin Zeit über seine lang erwarteten Eindrücke der Löwenburg von Perricum zu berichten.

20.TRAvia 33 Hal, auf dem Weg in die Trollzacken

In der Eile unseres Aufbruchs blieb es mir verwehrt, zu schildern, was sich in Perricum zugetragen hat. Ist das gut oder ist das schlecht? Ich meine, hätte meine Schilderung der Ereignisse klarer sein können? Ich weiß nicht, vermutlich nicht. Perricum liegt hinter mir und meine Erinnerung an das Geschehen versinkt in einem Schwertreigen. Ich werde versuchen, dazu zu schildern, was ich vermag, wenngleich Worte mir hier wohl den Dienst verweigern.

Also, Perricum, nicht die größte, aber eine prächtige und starke Stadt, bekrönt von der Löwenburg auf ihrem Hügel, Hauptsitz der RONdra Kirche und in der Stadt geborgen der größte Tempel RONdras. Perricum, letzter freier Hafen des Reiches im Perlenmeer. Das ist Perricum, Perricum, wie ich es erwartet hatte, Pericum, wie ich ihm in fast kindischer Einfalt entgegengefiebert habe. Was habe ich hier zu finden erwartet oder erhofft? Sein Anblick hat mich jedenfalls nicht enttäuscht.

Sobald wir einquartiert waren und die Angelegenheiten für unseren Aufbruch geregelt waren, bin ich zur Löwenburg hinauf gestiegen, ehe etwas diesen Besuch unterbinden konnte, und Finjan ging mit mir. Als geweihtem Schwertbruder wurde mir die stets verschlossenen Tore geöffnet und da ich für Finjan bürgte, wurde es uns erlaubt, uns nach Belieben in den Mauern umzuschauen. Wir durchquerten also den Torhof und kamen auf dem Platz mit den Stallungen heraus, von dem aus wir die gesamte Festung abschritten.

Eine wahrlich starke Feste ist die Löwenburg, in ausgezeichnetem Zustand. Auch besuchten wir den Tempel der Burg und wohnten einem der Blutopfer bei, wie sie hier Brauch sind. Finjan war das völlig neu. Wenn er sich auch weigert, sich auf unseren Glauben einzulassen, konnte er sich dennoch nicht gänzlich dem Eindruck der Tempelhalle entziehen mit ihren gewaltigen Statuen der Heiligen. Ich zog mich zu einem kurzen Gebet zurück, wollte meinen Begleiter aber nicht all zu lange warten lassen. Gewiss könnte man die Burg länger erkunden, doch bereits das Angesehene hatte mich zutiefst erfüllt, und es steht außer Frage, dass RONdras Wohlwollen auf Perricum liegt. Für diesen ersten Besuch war es genug, jedenfalls mit einem Begleiter wie Finjan. Meine Schwertgeschwister aus Rhodenstein hätten … die Präsenz dieses Ortes anders erfahren. Mit ihnen gemeinsam in der Burg zu verweilen hätte eine völlig andere Bedeutung gehabt.

Wir verließen die Burg über das Haupthaus und die mächtige Mauer, die sich in die Stadt hinunter zum Tempel zieht. Von der Mauer aus sah ich das Meer, die Wellen und dort oben auf der Mauerkrone begriff ich, welch gewaltige Kraft die Löwenburg birgt. Unsere politischen Differenzen beiseite, schlägt hier das Herz der RONdra Kirche, daran kann es für mich keinen Zweifel geben. Sollte unser Zug auch scheitern, so lange dieser Ort besteht, wird sich der Sturm wieder und wieder erheben, bis die Feinde der Völker und Götter hinfort gefegt sind! Und dieser Ort wird bestehen.

Wir stiegen in den Tempel hinab. Die Schönheit und der Stolz der uns darin begegnete, übertraf alles, was ich mir in Rhodenstein hatte vorstellen können. Der Ausdruck, den die Verehrung der Menschen für unsere Göttin darin gefunden hat, ist schlicht überwältigend! Die festen Mauern, die kunstfertigen Verzierungen, das Kleid unseres Glaubens, der diesen Ort bewohnt – ein anmutiges Kriegskleid ist es, geschmiedet Ring an Ring, ein jeder Ring der Glaube eines Schwertgeschwisters, ein jedes Glied von eiserner Stärke, verbunden aber von unzerstörbarer Festigkeit. Finjan hat keinerlei Sinn für diese Erfahrung, so ließ ich ihn gehen, wenn er denn wolle – natürlich wollte er -, denn ich konnte noch nicht gehen, konnte mich nicht satt sehen an dem, was meinen Augen offenbart wurde, mehr noch aber konnte mein Herz sich nicht satt trinken an der freudigen Gewissheit dieses Ortes!

Man muss es mir angesehen haben, denn ein erfahrener Schwertbruder trat an mich heran und sagte mit auf den Kopf zu, dass ich ein Neuankömmling im Tempel war. Er sah meine Begeisterung und lud mich ein, zu bleiben, das Abendmahl mit ihnen zu nehmen und in der Burg zu übernachten. Dankend nahm ich an. Daraufhin führte er mich zum Gebet und alles, was folgte, entzieht sich der bewussten Erinnerung. Ein Ring an RONdras Ehrfurcht gebietendem Kriegskleid war ich, die Klingen wirbelten durch die Luft und die Göttin selbst war unter uns, um den Tanz zu führen. Wir aßen in der Burg inmitten der Schwertgeschwister. Das Schwert der Schwerter, Ayla von Schattengrund höchst selbst, speiste im Kreis der Geschwister und es mangelte nicht an Fröhlichkeit, Liedern oder Geschichten. Dabei schien das Gebet gar kein Ende genommen zu haben, die Schwerter sangen unter den Kuppeln des Tempels. Wie Funken, daraus geschlagen, stiegen wir zur Herrin in Alverans Hallen auf.

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