Gespielt am: 12. Juni 2021
Zum ersten Mal treten Oberin und Xindra ausgiebig in Kontakt. Auf der Feier des Kapitäns begegnen sie sich auf der Tanzfläche und beobachten einander mit so viel Misstrauen wie Interesse.
Wahrlich, ein etwas angestrengter Tanz war das, doch eine äußerst interessante Jungfernfahrt versprach dies zu werden. Wir beendeten dieses kleine Stelldichein, Sturmbund verschwand mit etwas verkniffenem Blick in der Menge. Der Kapitän und der Erste Offizier hingegen schwelgten noch immer schwungvoll auf der Tanzfläche. Scheint, als wäre der Tisch eine bemerkenswerte Investition gewesen. Ich war bereits sehr früh im Kontor erschienen, um mir unauffällig ein Bild von allen zu machen, die hereinschwappten. Einen Teil der Mannschaftsauswahl hatte ich zuvor begleitet, bei der Vielzahl neuer Gesichter war es jedoch ratsam, die Augen darüber hinaus offen zu halten. So war der zweite RONdra-Geweihte, der sich neuerdings in Sturmbunds Gefolge aufhielt, nicht persönlich vorgestellt worden. Auch schien er darauf bedacht, nicht allzu sehr aufzufallen, doch er drückte sich die ganze Zeit über etwas auffällig am Rand der feiernden Truppen herum und sah dabei etwas missmutig drein, als gefiele ihm irgendetwas nicht sonderlich. Dergestalt kam ich auch nicht umhin, etwas später am Abend, als der Tanz der Führungsoffiziere vorüber war und die Besatzung die Tanzfläche etwas ungestümer für sich eingenommen hatte, ein Gespräch zwischen Kapitän Pettersen und einem abgesandten der Efferdbrüder mitanzuhören. Der Kapitän war sich nicht gleich im Klaren darüber, wen er da vor sich hatte. Er glaubte, es mit einem Geweihten zu tun zu haben, von denen Sturmbund offenbar zahlreiche, zumindest vorübergehend, hatte auf unsere Seite ziehen können. Doch bis auf Hasswolf von der Kirche des Swafnir wirken sie alle eher bedrückt angesichts unserer Unternehmung. So sprach auch dieser Efferdbruder, nachdem er den Kapitän bezüglich seiner Person berichtigt hatte, dass die Fahrt, zu der wir heute aufbrechen, auf Messers Schneide stehe.
Ja, für den Moment bekämpfen sie uns noch nicht offen, so viel hat Sturmbund erreicht und das ist zweifellos mehr, als der Kapitän ohne ihn erreicht hätte, etwas, das selbst ich wohl kaum vermocht hätte. Die Person des Geweihten Sturmbund öffnet uns Tore, die sonst verrammelt blieben. Dennoch, sie misstrauen uns, selbst der Idee, die wir verfolgen. Unser gefährlichster Gegner wird dabei zweifelsohne der Mann sein, den die PRAioskirche zu uns an Bord entsandt hat. Die würden den Dämon am liebsten auf der Stelle exorzieren und verbrennen und all seine Geheimnisse, seine Macht und Möglichkeiten unbesehen mit. Bei Hesinde welch Vergeudung!
Einige der Geweihten mögen zweifelnd, furchtsam gar an Bord kommen, doch willens, zu erkunden, was vor sich geht. Dieser Fyrchtepraios aber weiß bereits, was er sehen wird. Er kommt, es zu dokumentieren und Gründe zu finden, das Unternehmen zu unterbinden. Er wird sie finden. Die einzig relevante Frage ist, wie lange wir ihn in Schach halten können. Bereits sein kalkuliert einschüchterndes Eintreffen inmitten des Banketts war überaus illustrativ für seinen Standpunkt. Das dürfte kaum jemandem entgangen sein.
Oberin Sturmbund hat uns gewiss Zeit verschafft, doch wird es genug sein? Wir müssen sie umgehend nutzen, starke Kräfte von unserer Sache zu überzeugen, ehe unsere Gegner gegen die Herren der Dämonenarche opponieren werden. Alles in unserer Macht Stehende muss getan werden, um andernorts dahingehend zu wirken. Diese Gelegenheit darf nicht ungenutzt verstreichen. Denn endlich kommt Bewegung in die Sache. Gleichwohl lassen sich unter der Archenbesatzung auch vergnügliche Begegnungen machen. Die schnieke Maraskanerin mit Namen Yasindanid Feuerzunge hat ebenfalls noch zwei neue Begleiterinnen mitgebracht, wie sie Maraskanerinnen, und allesamt sind sie vergnüglichere Tänzerinnen als der Geweihte Sturmbund. Da er mit der Maraskanerin gereist ist, hätte sie ihm doch was Brauchbares beibringen können. Tja, Chance vertan. Ihr Beiname die Feuerzunge passt natürlich ausgezeichnet zu ihrem in Flammenzungen fallendem Haar, doch auch beim Tanz lodert sie wie eine Flamme. Bei Rahja, da gerät man schon ins Schwitzen, und ihre Freundinnen sind zu ähnlicher Gelassenheit aufgelegt, ergraute grimmige Priester hin oder her. Doch der zornige alte Mann hatte mindestens einen Teilerfolg erzielt, beim Versuch die Festivität zu sprengen. Die Stimmung war im Keller und sie wieder anzufachen, lohnte nicht recht; zwar war die Nacht noch jung, doch es galt, noch heute ins Abenteuer aufzubrechen. Außerdem waren die Tische mit Speisen und Spirituosen inzwischen ein trauriger Anblick gähnender Leere. Falls irgendwelche Krümel oder Pfützen auf den Platten und in den Töpfen noch verblieben gewesen waren, hatten die Goblins sie hastig verputzt, als alle anderen den Fyrchtepraios angestarrt hatten. Vielleicht hatten diese Goblins doch was für sich. Sollten wir wirklich mal ein großes Fest veranstalten, brauchen wir definitiv mehr zu trinken, mehr Thorwaler, mehr Goblins und mehr Leute aus Maraskan. Die wissen alle miteinander, wie man einer Feier Leben einhaucht. Noch mehr von diesen Frömmlern, bierernsten Wissenssuchenden und ehrbaren Kämpfern und wir werden vielleicht siegen aber keinerlei Spaß dabeihaben. Und wo wäre der Sinn im Siegen, wenn man anschließend nicht auf den Gebeinen der gefallenen Feinde tanzt, einen feinen Burschen im einen Arm und ein munteres Mädchen im anderen Arm und Becher mit Wein in beiden Händen? Na, dem Kapitän bringe ich das schon noch bei, vor dem Ende unserer Fahrt bringe ich ihm auch bei, mal zu lächeln. Aber wenn ich mir den Tanzstil dieses Geweihten anschaue, ist da wohl Hopfen und Malz verloren. Alles, was der im Sinn hat, sind offenbar Schwerttänze und ein Schwert, das hat er ganz offensichtlich auch bis über den Knauf im Arsch stecken! Bei RONdra, der letzte Weinschlauch mit Meskinnes ist jetzt auch alle. Wieso ist eigentlich immer der Meskinnes alle? Egal, wir sind sowieso bald da.
Der Rest ist schnell erzählt, bevor ich an Deck gehe, um die Arche zu sehen. Der Kapitän erteilte den Befehl zum Aufbruch und das tat er ziemlich gut, so heroisch wie der Typ aus dem Lied des Geweihten. Meine Anleitung tut dem Kapitän sehr gut, ich werde da dranbleiben. Die letzten Reste des Festes verschwanden unter irgendjemandes Mantel, während wir uns geordnet an Bord begaben. Warum auch nicht? Was sollte die Söldner noch hierhalten? Festum war nicht vom Feind umzingelt und doch gab’s nicht mal genug zu trinken, um ernsthaft betrunken zu werden. Hat man davon schon gehört, dass eine Söldnertruppe sich nach den Feierlichkeiten einschifft, und kein Mann fällt von der Planke? Jawohl, kein Mann, die können ja nicht mal betrunken geradeaus pissen. Jedenfalls sieht man, das muss ein trauriges Gelage gewesen sein. Niemand könnte oder versuchte zu singen. Ganz nach Plan stahlen wir uns leise aus Festum heraus. Ja, das sind gute Leute, die der Kapitän da angeheuert hat, und jetzt auf ins Abenteuer! Denn er kämpft, jagt, trinkt, segelt und streitet…
