[33.3X] Forschungswahn

Tagebuch des Oberin Sturmbund
Tagebuch des Oberin Sturmbund
[33.3X] Forschungswahn
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Gespielt am: 12. Juni 2021

Xindra beochbachtet mit regem Interesse das Treiben auf der Feier, doch in ihr herrscht Unruhe. Schon bald wird sie zu Gesicht bekommen, worauf sie schon so lange gewartet: Die Dämonenarche. Und dann ist es soweit: Das Signal zum Aufbruch wird gegeben und die Mannschaft wird im Dunkel der Nacht auf die Schiffe verladen.

22. Firun 1026 BF

Tatsächlich dauerte es noch, bis wir die Arche erreichten. Als ich sie endlich am Rande des Sumpfes ausmachen konnte, war ich schlagartig wieder vollends nüchtern. Nach all der akribischen Vorbereitungen konnte es endlich losgehen, denn dort lag sie, das Schiff meiner Träume und Albträume. Sie bot nicht den Anblick, den ich erwartet hatte. Gleich einer Kreatur im Winterschlaf ragte sie vor uns auf, abgemagert nach einer schier endlosen Zeit des Zehrens von weit zurückliegenden Ereignissen. Erstarrt war sie, keine Spur all der dämonisch überschießenden Lebendigkeit, deren unstillbare Gier Flotten und Küsten gleichermaßen verschlang. So wie sie dort lag, hilflos fast, schien es, als bedürfte es bloß einer großen, langen Nadel, um sie aufzuspießen und sie in einen Setzkasten zu tun. Ein hübsches Schmuckstück jeder Forschungssammlung doch wie wenig würde uns das nutzen. Viel mehr können wir von dem Dämon lernen, solange er lebendig ist. Außerdem, so hassenswert diese Kreaturen sein mögen, zugleich sind sie unglaublich erstaunliche Geschöpfe. Was vermöchte je so einnehmend zu sein wie ein aus dem Schlaf getriebener wandelnder Albtraum?

Je näher wir ihr kamen, desto aufgebrachter schlug das Herz mir bis zum Hals. Ein Prickeln glitt mir von den Fingerspitzen aus über die Haut. Ich vermochte sie zu spüren, es war atemberaubend. Die Söldner sprangen zuerst ins flache Wasser, wateten auf das feuchte Land und sammelten sich vor der Maulgrotte. Beeindruckt studierte ich noch immer die Außenwand des Dämonenschiffs, doch es war zu dunkel. Unsere spärlichen Fackeln entrissen kaum etwas der Erscheinung der Arche in der Dunkelheit, vielmehr verzerrten sie seine Struktur. Es ließ sich kaum erkennen, wo der massige Leib aufhörte und die Schatten begannen. Die Beine der Kreatur stießen aus der Nacht hervor. Grotesken, deren Anordnung im flachen Feuerschein keinen Sinn zu ergeben schien, deren Zahl nicht zu bestimmen war und wirkten, als hätte ein irrsinniger Geist sie nach einem höhnischen Muster, das nur er kannte, in die sumpfige Landschaft gebohrt. Welch überspannter Gedanke war dies.

Ich hörte die Stimme Sturmbunds über das Sumpfland hallen. Die Söldner waren pflichtschuldigst angetreten, ohne die große Kreatur allzu sehr zu betrachten. Sie wollten es gar nicht, nicht bei Nacht. Der Kapitän befahl nun allen, an Land zu gehen. Ich warf einen letzten Blick von Deck zu dem Ungetüm, meiner einstweiligen neuen Heimat. Nein, es gab nichts zu sehen in der wolkenverhangenen Nacht. Zeit, das Innere in Augenschein zu nehmen.

Ich trat an die Seite des Kapitän Pettersen, um mit ihm an Land zu gehen. Vor uns sahen wir die Kampftruppen Reihe um Reihe in das geöffnete Maul der Arche marschieren. Alle übrigen stellten sich hinter ihnen auf. Der Kapitän schob sich durch die wartende Menge nach vorn. Einigen der Leute hier stand ihre Nervosität weit deutlicher ins Gesicht geschrieben als den Soldaten. Weit weniger geordnet begaben auch wir uns auf das Wort des Kapitäns an Bord. Ich hatte Schmetterlinge im Bauch, als ich zum ersten Mal meinen Fuß auf den Leib des Dämons setzte, über mir und unter mir das aufklaffende Maul der Kreatur. Drinnen gab es gleichsam nicht genug Licht, um viel Detail auszumachen, von Zeit zur eingehenden Betrachtung gänzlich zu schweigen. Am liebsten hätte ich an Ort und Stelle mit den Untersuchungen begonnen, so blieb mir nur, im Vorübergehen eine erste überblicksartige Bestandsaufnahme zu machen und gedankliche Notizen zur baldmöglichen Überprüfung anzulegen. Kapitän Pettersen ordnete noch während wir die Gänge hinauf nach oben strebten, eine provisorische Offiziersbesprechung an. Gewiss eine sehr angebrachte Maßnahme, in jenem Moment aber empfand ich nur, wie sehr mich das von der Aufnahme meiner Arbeiten abhielt. Zumal, was er zu sagen hatte, sich vorwiegend an die neu hinzugekommenen richtete. Der Geweihte Sturmbund fehlte. Offenbar kümmerte er sich um die Einquartierung der Mannschaften. Konnte nicht auch ich mich um meine Arbeit an Bord kümmern? Doch ich ermahnte mich zur Ordnung. Auch der Kapitän war mein Studienobjekt, dem ich mich mit Sorgfalt zu widmen hatte. Obendrein war es genauso nötig, ihn weiterhin mit meinem Rat anzuleiten. Mit dieser Ermahnung gelang es mir, ein wenig Ruhe in meine aufgewühlten Gedanken zu bringen.

Jaspers borniertes Besserwissergesicht nagte jedoch gleich darauf an mir. Was hatte der Kerl bereits über die Arche herausgefunden? Was wusste er? Worüber belog er uns? Ich bin sicher, er enthält uns einiges vor. Dem Wandler ist nicht zu trauen. Er hat mir gegenüber einen Vorsprung, den es rasch aufzuholen gilt. Aber das ist zweifellos eine lösbare Aufgabe, gewiss keine Herausforderung, ließe der Kapitän mich doch bloß an die Arbeit gehen. Stattdessen verkündete er, unsere Anwesenheit werde bald darauf an Deck erwartet, sowie die der gesamten Besatzung, da der Geweihte Sturmbund unserer Fahrt mit einer Messe den Beistand der Göttin RONdra versichern wollte.

Na wunderbar, noch mehr Ablenkungen. Nun, da ich die Arche endlich in Augenschein nehmen konnte, schien sie mir unerreichbarer denn je. Doch da war nichts zu machen. Also eilte ich, zumindest ein paar grundlegende Dinge zu überprüfen und Anweisungen für den Beginn der Untersuchung und Unterbringung der Ausrüstung zu geben. So gelangte ich, wie ich gestehen muss, beinahe zu spät wieder zurück auf das Oberdeck. Große Teile der Besatzung standen da bereits versammelt in einem Halbkreis, der sich um zwei brennende Kohlebecken spannte, in deren Mitte der Geweihte Sturmbund stand, den Blick zum Meer gewandt, der Menge noch nicht achtend.

Es war noch dunkelste Nacht, allein das Flackern der Feuer erhellte die Zeremonie. Leises Gemurmel erfüllte die Luft. In Abhängigkeit der Intensität ihrer Verbundenheit zum Glauben und zu den Vorgängern rund um die Arche mochten die Versammelten unterschiedliche Erwartungen an diesen RONdra-Dienst gelegt haben. Was sich tatsächlich zutrug, dürfte keiner von ihnen erwartet haben.

 

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