Gespielt am: 09. Oktober 2021
Ächzend setzt die Dämonenarche sich zum ersten Mal unter neuer Führung in Bewegung. Die letzten Wochen haben sie geschwächt, doch ihr erstes Fressen, wurde bereits serviert in Form eines alten wrackfertigen Schiffes aus Festum. Dann rennt sie hinaus auf See.
Damit eröffnete der Kapitän die erste Sitzung des Offiziersrates der Zinnen der Sühne. Zunächst erkundigte er sich freundlich nach der Zufriedenheit aller mit der Unterbringung, um dann, das Räuspern von Fyrchtepraios höflich übergehend, Silberhardt zu bitten, allen einmal darzulegen, in welcher Weise die Arche von uns kontrolliert wurde. Bemerkenswerterweise schien das für so manchen unter den Anwesenden keine Neuigkeit zu sein, dennoch rief das Schicksal der beiden Frauen im Steuerbaum reges Interesse und heftige Diskussionen hervor. Wir wussten weder mit Sicherheit, ob die Arche ohne sie funktionieren konnte, noch ob wir überhaupt über die Mittel verfügten, etwas für sie zu tun. Nun war uns allerdings Magistra Xindra Meergenz beigegeben worden, um eben solche Fragen zu untersuchen.
Ehe wir das Thema abgeschlossen hatten, platzte Blutschluck mit lautem Getöse herein und suchte sich ohne viel Federlesens einen Platz hinten an der Wand. Den Krach verursachte ganz offenbar sein kaputtes Bein, das nicht länger von Ärzten geschient wurde und bei jedem Auftreten ein dumpf metallisches >>Klonk<< verursachte. Auf die entsprechende Nachfrage des genervten Kapitäns erklärte er, das sei ein Experiment, dem er sich bei einem INGerimm Geweihten in Festum unterzogen habe. Schließlich sei das Bein ohnehin nicht mehr zu retten gewesen. Ich hätte gern gewusst, was mein Bruder darüber dachte. Finjan allerdings ging eilend wieder zur Tagesordnung über, ohne Blutschluck weiter zu beachten, und verhängte eine offizielle Zugangssperre zum Turm, die jedoch nicht für die Magistra galt. Allen übrigen sollte allenfalls auf Anfrage Zugang gewährt werden, was vorneweg Fyrchtepraios auch sogleich beanspruchte. Wir hatten in der Vorbesprechung über Offenheit und Vertrauen diskutiert und waren zu dem Schluss gelangt, insbesondere Kolokewski und ich, es würde besser sein, gleich mit den Schrecknissen, die es an Bord gab, herauszurücken. So sehr sie unser Unterfangen auch ins Zwielicht rückten, konnten wir unsere guten Absichten kaum besser belegen, als mit offenen Karten zu spielen. Für mich als Geweihtem der RONdra war es weit mehr als ein Spiel. Ich unterstützte dieses Unterfangen, trieb es voran, umso mehr gebot es die Ehre, aufzuzeigen, was damit einherging. Nur so konnten wir zudem größtmögliche Unterstützung bei der Eindämmung der Gefahr erlangen, die von der Arche ausging. Obendrein merkten die pragmatischeren Naturen unter uns an, wir hatten keine Ahnung, was andere an Bord bereits über die Archen wussten. Etwas zu verbergen könnte gefährlich sein, das hatte den Kapitän einigermaßen überzeugt. So hielt ich es für angebracht, an dieser Stelle auf die Tore zu den Niederhöllen, welche die Arche in ihren Eingeweiden barg, und den Kelch der Tausend Augen zu sprechen zu kommen. Zumindest ersteres ließ Fyrchtepraios doch noch erbleichen, der von da an kaum mehr hinterherkam, sich Notizen zu machen. Über den Kelch entstand abermals eine rege Auseinandersetzung, obschon Magistra Xindra eine Idee für eine, wenngleich schwer zu beschaffende, magische Abschirmung einbrachte, schien sich eine Mehrheit herauszubilden, die das Ansinnen des Kapitäns teilte, den Kelch ins Meer zu werfen.
So weit kam es nicht, denn von Deck unterbrach ein lauter Ruf die Beratung. >>Schiff in Sicht! << Der Offiziersrat löste sich geschwind auf, um nachzuschauen, wessen Kurs wir kreuzten. Indes entgingen mir nicht die fruchtigen Ranken, die sich nach Blutschlucks Beinen ringelten, doch sein eiserner Schritt ließ auf dem Weg hinaus alle geblähten Beeren zerplatzen. Draußen an Deck meldete man uns die Sichtung eines verfemten Banners des Feindes. Verflucht sei der ekle Krake darauf! Wir hatten die Gewässer der Festumer Bucht wohl eben hinter uns gelassen, rasch ließ Finjan unsere bornländische Flagge einholen, um an seiner statt das drohend linsende Dämonenbanner zu hissen. Es war an der Zeit, uns für den Kampf zu rüsten.
Sobald wir wieder an Deck traten, berichtete man uns, es handele sich um einen Zweimaster, eine Thalukke. Offenbar war die Besatzung vollkommen ahnungslos. In die Vorbereitungen zur Schlacht warf der erste Offizier den Vorschlag, den Gegner nicht anzugreifen, sondern ihn zu übertölpeln und im Unklaren zu lassen, wessen Beute er da geworden war. Finjan gefiel der Plan, der dazu führen sollte, Misstrauen in den Reihen des Feindes zu säen und uns noch eine Weile abseits der Aufmerksamkeit der Dämonenknechte zu halten. Das entsprach natürlich ganz der taktiererischen Kriegskunst, die allen Lehren der Göttin zuwiderläuft. Es gefiel mir nicht. Gleichwohl bedienten wir uns dieses niederhöllischen Gefährts des Feindes, um ihm in jeder erdenklichen Weise den größtmöglichen Schaden beizubringen. Wenn dieses verräterische Pack, in dessen Mannschaften hinterlistiger Verrat und tückische Morde Gang und Gäbe waren, aufgrund persönlicher Gier und Missgunst zunehmend übereinander herfiel, weil wir uns noch bedeckt hielten, würden wir nur das Übel seine Früchte treiben lassen, das in ihren Seelen bereits wucherte. Einem ehrenhaften Feind gegenüber hätte ich die Entscheidung des Kapitäns niemals gebilligt, doch wäre es gegen einen solchen Feind auch ein nutzloses Unterfangen gewesen. Wir handelten nicht gemäß den Lehren der Göttin. Aber keine Ehre gebot mir, mich gegenüber dem Kapitän für diese Ketzer zu verwenden.
So befolgte ich seinen Befehl, die Geweihten zu überzeugen, sich in ihre Kabinen zurückzuziehen, um dem Plan des ersten Offiziers nicht im Wege zu sein. Allen voran der PRAiosgeweihte protestierte heftig, sich zeitgleich Notizen machend, begierig, diese verlorenen Seelen auf den rechten Weg zurückzuführen. Bald genug würde er Gelegenheit haben, sich ihrer Läuterung zu widmen. Einstweilen behielt ich aber lieber seine Kabinentür im Blick, derweil ich darauf lauschte, was sich draußen tat. Die Arche hatte sich mittlerweile auf die Wasseroberfläche herabgelassen. Bedrohlich ragte sie über dem kleinen Zweimaster auf. Finjan hatte eine Inspektion des Schiffes angeordnet. Mehrere Söldnereinheiten hatten sich verborgen in der Maulgrotte auf seinen Befehl versammelt. Als sie aufklappte, stieg er seiner Garde voran in Begleitung Kolokewskis auf das Deck der Thalukke hinunter.
Der nervöse Kapitän Kurjaken Horagin begrüßte ihn an Bord und stellte ihm den ersten Offizier Wittaker vor. Auf Finjans diesbezügliche Erkundigung erklärte Kapitän Horagin, Weizen geladen zu haben, für den bereits gehorsam Tribut entrichtet worden sei. Xeraan habe seinen Teil erhalten, was Finjan unumwunden anzweifelte. Er forderte Horagin auf, den gebührenden Tribut umgehend in den Bauch der Arche zu schaffen zu lassen. Der Grund dafür war, dass er dort drinnen die Piraten sogleich von unseren Leuten verhaften lassen wollte. Kleinlaut gab Horagin die nötigen Anweisungen. Finjan ließ einige seiner Gardisten die Durchführung überwachen, ehe er Horagin die Ehre zuteilwerden ließ, sein Boot nun tatsächlich genau im Augenschein nehmen zu wollen. Als die Krämerseele, die der elende Piratenkapitän war, wehrte er sich mit Händen und Füßen gegen dieses Ansinnen, knickte jedoch sogleich ein, als der Archenkapitän ihm verdeutlichte, wie ausnehmend groß diese Ehre war. Notgedrungen führte er Finjan schließlich zur Kapitänskajüte, wo Finjan ihn sogleich verhaften ließ, ehe der Holzwurm dazu Gelegenheit fand, eine krumme Tour zu versuchen. Daraufhin ließ er die gesamte Ladung beschlagnahmen, den Piraten kündigte er die Vernichtung ihres Schiffes an. Der an Deck zusammengetretenen Besatzung stellte er es dabei frei, sich an Bord der Arche in Gefangenschaft zu begeben oder mit dem Schiff unterzugehen.
Einer der Lumpen wagte es, sich zu widersetzen und gegen Finjan den Säbel zu ziehen. Ehe er den Kapitän erreicht hatte, summte die Sehne von Firunpfeils Bogen und ein gefiederter Schaft ragte aus des Mannes Brust. Tod sank er auf die Planken. Eine Schande war das, den einzigen Mann an Bord niederzuschießen, der Kampfgeist besaß! Der Kapitän hätte ihn spielend im Zweikampf besiegt. Der schreckliche Krieg, mit dem wir überzogen wurden, nötigt es uns ab, zu Waffen zu greifen, die nicht dem Gebot der Göttin zum Zweikampf genügen, doch wo nicht die Schlacht tobt, sollte selbst diesem Abschaum ein gefälliger Tod gewährt werden. Nicht zu ihren Ehren, sondern um unserer Ehre willen und zum Ruhme unserer Göttin!
